von Eva Elisabeth Gawlik.

Carl Spitzweg (1808-1885), der berühmte Genremaler des Biedermeier, und Eduard Schleich (1812-1874), der gerne als Vater der Münchner Landschaftsmalerei bezeichnet wird, verbindet ab etwa 1835 zeit ihres Lebens eine enge Künstlerfreundschaft. Beide stammen aus einer großbürgerlichen Familie und verbringen fast ihr gesamtes Leben in der bayerischen Hauptstadt München.

Was haben diese zwei Maler jedoch gemeinsam, die in ihrer künstlerischen Bildfindung auf den ersten Blick sehr weit voneinander entfernt scheinen?
Schleich wird 1827 nach einem kurzen Besuch an der „Königlichen Akademie der Bildenden Künste“ vom Leiter Peter von Cornelius aus der Historienklasse wegen Talentlosigkeit ausgeschlossen und bildet sich seitdem autodidaktisch weiter. Der studierte Pharmazeut Spitzweg widmet sich der Malerei ebenfalls im Selbststudium. Beide kehren der traditionellen akademischen Malerei den Rücken zu und ziehen die Natur als ihren Lehrmeister vor. Eduard Schleich beteiligt sich seit 1830 an Ausstellungen im 1823 gegründeten „Kunstverein München“, dem Carl Spitzweg 1835 ebenso beitritt. Aus dem Jahre 1835 stammt auch Spitzwegs früheste Aufzeichnung über die Bekanntschaft mit Schleich.
Was weniger als die liebreizend-ironischen Darstellungen Spitzwegs bekannt ist, sind seine Landschaften. Spitzweg geht gerne raus in die Natur, wandert und reist, skizziert, zeichnet und malt seine Studien im Freien. Als studierter Kopf lässt sich Spitzweg bei seiner Bildkomposition und Farbgebung vor allem vom Besten inspirieren und beeinflussen. Und dieser war in München seinerzeit nun einmal Eduard Schleich d.Ä. – auch wenn sich natürlich viele andere begnadete Künstler wie Heinrich Bürkel und Johann Friedrich Voltz in seinem Freundeskreis tummeln. Neben zahlreichen gemeinsamen Wanderungen führt eine ausgiebige Reise Spitzweg und Schleich – zusammen mit den Malern Carl Ebert und Christian Morgenstern – 1851 nach Paris, wo sie von der Pleinairmalerei der Schule von Barbizon inspiriert werden, weiter zur Weltausstellung nach London und zu den Alten Meistern nach Holland. Auch eine künstlerische Zusammenarbeit zwischen den Malerfreunden ist bekannt.
Eine solche Art von enger Künstlerfreundschaft, wie sie zunehmend typisch im 19. Jahrhundert wird, gab es jedoch nicht immer. Erst seit der Romantik, in der der subjektive Blick des Künstlers zunehmend an Bedeutung gewinnt, gehen immer mehr Künstlervereinigungen und -schulen hervor, deren Grundlage nun verwandtes individuell-künstlerisches Interesse und eine ähnliche künstlerisch-philosophische Weltsicht ist. Der wachsende Spalt zwischen akademischer Tradition und Revolution, zwischen Mainstream und Individualismus lässt Künstler im Kreise von Geleichgesinnten zusammenkommen. Gegenseitige Inspiration, der Austausch von Ideen und Kunstanschauungen beflügeln diese Begegnungen und machen aus Künstlern schließlich Freunde.

Eva Elisabeth Gawlik ist freiberufliche Kunsthistorikerin und Kuratorin der Ausstellung „Auf ins Inntal! Spitzweg, Schleich d.Ä. und Malerfreunde auf Reisen…“ in der Städtischen Galerie Rosenheim.

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