von M+M.

In Zweierreihen traten in den 1990er Jahren Duos hervor, restriktive Künstlerfreundschaften, die sich von einer Zusammenarbeit mehr versprachen als vom Wahn des umschlossenen, einsam brütenden Genies. Natürlich hatten es diesem Aufmarsch gewisse Künstlerfreundschaftsmythen angetan: Beuys und Byars, Buñuel und Breton, Ernst und Éluard, Gilbert & George, van Gogh und Gauguin, Kandinsky und Klee oder Marc und Macke. Was waren die Zutaten, wie züchtet man gemeinsam die Früchte am Baume Dadas (Arp und Ernst)? Welche Taktiken, Tricks und Topoi machen Künstlerfreundschaften aus – und das in Zeiten, da eh jeder mit jedem ins Netz steigt? Und so werfen wir kurz einen Blick über die Schultern anderer auf Rezepte, die verbinden:

Gemeinsam wohnen: Dahl und Friedrich

Gemeinsam Schach spielen: Duchamp und Ray

Gemeinsam Gala lieben: Éluard, Ernst und Dalí

Gemeinsam AnnLee teilen: Huyghe, Parreno, Gonzales-Foerster

Gemeinsam Fahrrad(-rennen) fahren: Broodthaers und Panamarenko

Gemeinsam saufen: Kippenberger und Förg

Gemeinsam hungern: L.A. Raven

Gemeinsam malen und in den Krieg ziehen: Macke und Marc

Gemeinsam Markt machen: Gurski, Ruff und Struth

Gemeinsam andere ausschließen: Breton, Aragon und Pèret

Gemeinsam sonnenbaden und Muscheln sammeln: Spielberg und Lukas

Gemeinsam stricken: Hohenbüchler

Gemeinsam sich gegenseitig was abgucken: Picasso und Braque

Sich gemeinsam einkleiden: Gilbert & George

Gemeinsam koksen und posten: Winehouse und Doherty

Gemeinsam grenzerfahren: Abramovi? und Ulay oder Wiener Gruppe

Gemeinsam bei Andy abhängen: Cale, Reed, Nico

Gemeinsam Mutter teilen: Coen oder Dardenne oder Taviani oder Asam oder Chapman

Gemeinsam Vater teilen: Müller

Gemeinsam Vornamen teilen: Knoebel und Giese

Gemeinsam Büro gründen: Pitz, Huber, Kummer, Rahmann

Gemeinsam Bürger schrecken: Ball, Tzara, Hennings

Gemeinsam Urlaub illustrieren: Klee, Macke, Moilliet

Gemeinsamen Inselurlaub publizieren: Cattelan, Rehberger, Rist, Tillmanns

Gemeinsam einpacken: Christo und Jeanne-Claude

Gemeinsam ohne Ende Briefe schreiben: Stieglitz und O’Keeffe, Gorey und Neumeyer, Rilke und Andreas-Salomé, Bonnard und Matisse

Gemeinsam ohne Ende tweeten und Selfies schiessen: alle möglichen

Gemeinsam gegenseitig Klappentexte verfassen: Autoren eben

Gemeinsam Grabstätte teilen: Keats, Shelley, Severn

Gemeinsam absinthieren: Verlaine und Rimbaud, der kleine und der große Toulouse-Lautrec

Sich gemeinsam schnappschussverbünden: Goldin und Araki

Gemeinsam knutschen: Aguilera, Spears und Madonna

Gemeinsam Glossy: Fengel und Koopmann

Gemeinsam Stipendium genießen: Bitter, Fischer/ el Sani, Krausser, M+M, Neumeister, Pasing, Scholz

Sich gemeinsam mit anderen kuratieren: Cattelan und Weibel oder Elmgreen & Dragset

Gemeinsam (in) Zeitschriften publizieren, Truffaut und Godard, Hochhäusler und Heisenberg, Ernst und Éluard und Breton und…

Gemeinsam wandern: Pietroiusti, Fantin, Norese

Gemeinsam Schweine hüten: Trockel und Höller

Gemeinsam Karussell fahren. Buñuel, Dalí, García Lorca

Gemeinsam exquisite Kadaver zeichnen: Miró, Tanguy, Ray, Morise, Breton

Gemeinsam Musik machen: Meinecke, Melián, Petzi

Gemeinsam revoluzzen: Kahlo, Rivera, Trotzki, Breton

Gemeinsam tierisch werden: Fischli und Weiss

Gemeinsam den Frauenkörper dekolonialisieren: Huzol, Schewtschenko, Schaschko

Gemeinsam aussteigen: Gauguin und van Gogh

M+M steht für die künstlerische Zusammenarbeit von Marc Weis und Martin De Mattia. In der Sammlung des Lenbachhauses befindet sich ihre Filminstallation „Montag“ (2009) aus der Serie „7 Tage“. In diesem Jahr sind sie mit Einzelausstellungen im Casino Luxembourg, Forum d’art Contemporain, im VT Artsalon Taipeh und in der Galerie im Taxispalais, Innsbruck zu sehen.

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