von Monika Bayer-Wermuth.

Der Beginn meines Volontariats am Lenbachhaus im Oktober letzten Jahres fiel unmittelbar mit den letzten Vorbereitungen für die Ausstellung »August Macke und Franz Marc. Eine Künstlerfreundschaft« zusammen. Viele der Arbeiten der Künstler waren mir als Münchnerin vertraut. Vollkommen neu war für mich, welch festes Band der Freundschaft zwischen den beiden Künstlern bestand. Wenige Stunden nach der ersten Begegnung mit August Macke in München schreibt Franz Marc an Maria Franck, seine spätere Frau, enthusiastisch über das Kennenlernen, das der Beginn einer besonderen Künstlerfreundschaft sein sollte. Nur wenige Wochen später folgen Franz Marc und Maria Franck einer Einladung nach Tegernsee, wo sich das junge Paar August und Elisabeth Macke in einem kleinen Haus eingerichtet hatte.

Von da an ging bis zu ihrem Tod ein reger Briefwechsel zwischen den beiden Künstlern hin und her. Schnell wird aus einem »geehrten Herrn Marc«, ein »lieber Marc«, dann »Franz« und ganz vertraut »Franzl«. Marc wiederum schreibt an den Freund als »Du lieber, Du mit Recht so beliebter August«, ein Zeugnis freundschaftlicher Zuneigung, die einen kritischen Blick auf das Arbeiten des anderen nicht ausschließt. Doch die beiden Künstler und auch ihre Frauen haben sich nicht nur in zum Teil bewegenden und humorvollen Briefen ausgetauscht, sondern auch gegenseitig beschenkt. Bereits im Dezember 1910, knapp ein Jahr nach ihrer ersten Begegnung, wartet Franz Marc mit besonderen Präsenten zum Weihnachtsfest auf. Er schickt den Freunden zwei selbstgemachte Bronzeflachreliefs, die als Schlüssellochbeschläge dienen. August und Elisabeth sind begeistert: »Du hast uns eine kolossale Freude gemacht. Also wir waren ganz platt über die Brönsgen. Sie sind ganz famos. Man kann getrost im Dunkeln daran herumtasten. Sie sind ganz famos geglückt.«1 Doch neben den kleinen Bronzen, die in der Ausstellung zu sehen sind, schickte Marc auch eine bemalte Ofenkachel. Verwendung findet sie als Obstschale und Macke wird sie später in seinem Gemälde »Stillleben mit Hirschkissen und Strauß« darstellen. Die unmittelbare Begeisterung, die sie auslöst, wird sogleich zu Papier gebracht: »Die Kachelschüssel in Cadmium ist einzig und über die köstlichen Figürchen habe ich Dir wohl schon zu viel vorgeschwärmt, so dass ich fast fürchte, dieser Herzblutporzellankörperchenaderlass hat Folgen für Dein Gemüt.« 2 Im Juli 1911 bedankt sich Marc bei August Macke »für das schöne Kissen, das die ‚Leuchte‘ unseres Zimmers ist«3 und im September desselben Jahres »für die glänzenden Glasbilder, die uns eine riesige Freude machen.«4

Auch August und Elisabeth Mackes kleiner Sohn Walter wird von Franz Marc mit Geschenken bedacht. »Blaues Pferdchen, Kinderbild« widmet Marc dem kleinen Künstlerfreund 1912 zum zweiten Geburtstag. In ihren Erinnerungen schreibt Elisabeth später: »Marc malte das ›Blaue Pferdchen‹ für unseren ältesten Sohn Walter, den er, weil er von Kind an zeichnete und malte, scherzhaft den ›jüngsten Blauen Reiter‹ nannte. Rechts oben im Bild steht die Widmung von seiner Hand ›Dem lieben Walterchen Macke‹.«5 Statisch und wie eine kleine Figur, ein Spielzeug, steht das kleine Pferdchen in einer bunten Landschaft. August berichtet Franz, wie das Bild bei Walter ankommt: »Das schöne kleine Blaupferdchen hat uns sehr gefreut. Der Bubi hätte sich am liebsten gleich draufgesetzt.«6 Als eines der ungewöhnlichsten Gemälde und Zeugnis der Freundschaft ist es einmalig in der Ausstellung mit seinem berühmten Vorbild zu sehen.

Neben ihren Briefen sind auch die liebevoll gestalteten Postkarten zu erwähnen, die vor allem Franz Marc an Freunde zusandte. Ab 1912 schickte er bemalte Postkarten an verschiedene Freunde in »wunderherrlichen Farben«, wie es seine Freundin Else Lasker-Schüler beschreibt. Sie gelten als die »poetischsten« Werke des Künstlers überhaupt.

Für mich hat sich durch diese Dokumente und kunstgewerblichen Arbeiten ein neuer, bisher unbekannter Zugang zu dieser Art von Werken entwickelt, die einen sehr persönlichen Einblick in die Freundschaft von August Macke und Franz Marc erlauben und innerhalb der Ausstellung die großen Kunstwerke auf besondere Art und Weise flankieren. Sehr berührt hat mich die Geschichte einer Postkarte, die auch die Erzählung zum Abschluss bringt: Marc malte ihr Motiv »Grünes und weißes Pferd« bereits 1913, schickt sie aber erst in seinem Fronturlaub 1915 an Elisabeth Macke, die ihren Mann schon zu Beginn des Krieges verlor. Marc erinnert die Postkarte an eine schönere Zeit, wenn er darauf melancholisch schreibt: »Diese Karte fand ich hier in meinem Schreibtisch – sie stammt noch aus friedlichen Tagen, als wir uns solche bunten Grüße sandten, – so sollst Du sie jetzt haben.«7 Mit der Postkarte hat Marc der jungen Witwe sein wohl letztes Geschenk gemacht, bevor er selbst 1916 bei Verdun gefallen ist.

Monika Bayer-Wermuth ist wissenschaftliche Volontärin am Lenbachhaus.

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1 Brief von August Macke an Franz Marc, datiert am 2. Weihnachtstag 1910
2 Ebd.
3 Postkarte aus Murnau von Franz Marc an August Macke, 26. Juli 1911.
4 Brief von Franz Marc an August und Elisabth Macke, vor dem 8. September 1911.
5 Elisabeth Erdmann-Macke: Erinnerungen.
6 Brief von August Macke an Franz Marc, am 28. April 1912.
7 Postkarte von Franz Marc an Elisabeth Macke, 1915, während seines Fronturlaubs geschrieben.

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