von Volker Adolphs.

26. September 1914 – August Macke stirbt auf einem Schlachtfeld in Frankreich als eines der frühen Opfer des Ersten Weltkriegs. Natürlich lag es für das Kunstmuseum Bonn nahe, zu seinem 100. Todesjahr gemeinsam mit dem Lenbachhaus München eine Ausstellung zu organisieren, denn in Bonn wuchs Macke auf, hier verbrachte er den größten Teil seines Lebens, hier malte er seine letzten Bilder. Der Fokus beim Aufbau der Sammlung des Kunstmuseum Bonn lag deshalb von Beginn an auf seinem Werk, so dass Bonn heute neben dem Lenbachhaus und dem LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster über die umfangreichste Sammlung von Werken Mackes verfügt.

Die Ausstellung „August Macke und Franz Marc – Eine Künstlerfreundschaft“ beschränkt sich nicht auf August Macke, sondern erzählt die Geschichte der vielleicht schönsten und berührendsten Künstlerfreundschaft des 20. Jahrhunderts. Sie dauerte nur vier Jahre von 1910 bis 1914, war aber für das Leben und die Kunst von August Macke und Franz Marc von größter Bedeutung. An rund 200 Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen, Objekten, Dokumenten lässt sich der Weg der beiden Künstler nachvollziehen. Gerade durch die Zusammenführung der beiden Künstler erschließt die Ausstellung neue Aspekte ihrer Kunst. Beide haben die wichtigen Kunstströmungen ihrer Zeit wie Kubismus, Futurismus, Orphismus rezipiert und die Entwicklung der Avantgarde inspiriert, so dass die Ausstellung, obwohl und weil sie sich ganz auf Werke von Macke und Marc konzentriert, die zentralen Fragen der frühen Moderne nach einer neuen Definition des Bildes verdeutlicht.

Die Ausstellung will vor allem auch die menschliche Seite ihrer Freundschaft darstellen, an der die Ehefrauen der Künstler, Elisabeth Macke und Maria Marc, großen Anteil hatten. Macke, spontan, direkt, impulsiv, war ganz von der Schönheit der diesseitigen Welt erfüllt, Marc, nachdenklich, reflektiert, ausgleichend, arbeitete an der Vision einer zukünftigen, reineren Welt des Geistigen. Diese Unterschiede haben die Tiefe ihrer Freundschaft nicht berührt. Als Marc die Nachricht vom Tod Mackes, „meinem guten einzigen Freund“ erhält, schreibt er: »Es ist mir, wie wenn ich innerlich blute, wenn ich an August denke, und ich denke immerwährend an ihn!« Im März 1916 wird Marc durch einen Granatsplitter tödlich getroffen.

Jenseits der Untersuchung kunstgeschichtlicher Beziehungen bietet die Ausstellung, die wertvolle Leihgaben zum Beispiel aus New York, Paris, Rotterdam, Zürich usw. umfasst, eine Parade toller, farbintensiver Bilder, ein Erlebnis der Augen. Sie ist noch bis zum 4. Januar 2015 im Kunstmuseum Bonn zu sehen, und reist danach ins Lenbachhaus nach München (28. Januar – 3. Mai 2015). Wer den gesamten Umfang der Ausstellung erleben will, sollte beide Museen besuchen und bis Anfang Januar ins Rheinland reisen, denn neben Bildern, die nur in München zu sehen sein werden, gibt es auch eine Reihe wichtiger Bilder, die aufgrund ihrer Fragilität ausschließlich in Bonn gezeigt werden können. Umgekehrt sind viele bedeutende Werke, darunter das „Blaue Pferd“ (1911) und die „Kämpfenden Formen“ (1914) von Franz Marc ausschließlich in München zu sehen.

Volker Adolphs ist Ausstellungsleiter und Kurator der Sammlung Kunst der Moderne im Kunstmuseum Bonn.

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