von Lili Ruge.

Florine Stettheimer waren Paradoxien nicht fremd. Einerseits weigerte sie sich, nach einer finanziell wenig erfolgreichen Einzelausstellung 1916, ihre Bilder jemals wieder in dieser Form der Kritik des Publikums auszusetzen. Andererseits war sie Teil des Zentrums der New Yorker Kunstszene und lud regelmäßig Künstlerinnen und Künstlern, wie Georgia O’Keeffe und Marcel Duchamp zum Salon in die Upper West Side. Dass Stettheimer trotz ihrer Teilverweigerung gegenüber dem Kunstbetrieb und unter ihren KünstlerfreundInnen erfolgreich war, verdankte sie sicher auch ihrer Fähigkeit zu netzwerken – eine Kompetenz, die im Kunst- und Kulturbetrieb wahrscheinlich nie an Bedeutung verlieren wird, auch wenn sich die Formen der Netzwerke verändern.

Wenn wir unseren Blick weg von der bildenden Kunst hin zur Musik wenden, kann man dort heute ganz deutlich den Einfluss von sozialen Netzwerken auf den Erfolg der Künstler erkennen. Als in den 90er Jahren das Internet und mit ihm digitale Speichermedien, wie die Mp3 ihren Siegeszug antraten, wurde diese Entwicklung von den großen Plattenlabels grandios verpasst. Das wälzte den von einigen wenigen Majors (Universal, Sony, Warner and EMI) dominierten Musikmarkt um. Erfolgsgeschichten von Stars, wie Adele oder Lana Del Rey, werden heute zu weiten Teilen ohne die großen Labels geschrieben und viele Künstlerinnen und Künstler werden heute nicht mehr von einem A&R entdeckt, sondern von Musik-Blogs, die sich ihre Demos anhören. Klicks auf Netzwerken wie Soundcloud, Mixcloud oder Youtube sind heute wichtiger – am Beginn einer Karriere als die Platzierung in den Charts. Das Verschenken von Songs als Free Download, um damit in den Musik-Blogs vorzukommen, hat sich für Nachwuchsmusiker oft mehr gelohnt, als Demos an große Plattenfirmen zu verschicken. Und ein unterhaltsamer Twitter-Account macht einen Künstler als Mensch greifbarer als uninspirierte Pressemitteilungen. Anders gesagt: man trifft sich heute nicht mehr in Salons in der Upper West Side, sondern auf Facebook – mit gleicher Tragweite für die künstlerische Karriere.

Als wir gefragt wurden, ein Set bei der Preview und Eröffnung der Florentine Stettheimer-Ausstellung im Foyer des Lenbachhauses zu spielen, haben wir Songs ausgesucht, die thematisch an die verschiedenen Genres des Jazz anknüpfen, gleichzeitig einen Bogen spannen zu modernem House und auch noch zum Ambiente des neu gestalteten Lenbachhaus passen. Am 25. und 26. September mit dabei waren Interpreten wie Alif Tree, Isaac Tichauer und Hird.

Lili Ruge ist Bloggerin, freie Autorin bei BR Puls und unter dem Namen Lili Tralala als DJ aktiv.

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