von Daniel Man.

Der Direktor des Lenbachhauses, Matthias Mühling fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, eine Eisbude vor dem Lenbachhaus künstlerisch zu bespielen.
Ich habe nicht lange gezögert, ja zu sagen, denn schon eine Eisbude vor das große Museum zu setzen, war für mich schon ein gewagter Akt an sich. Die Bude aber als eine künstlerische Arbeit zu sehen, hat meine Bedenken relativiert.

Wie einige wissen, bin ich bereits in den Achtzigerjahren als junger Graffitisprüher namens “Codeak” umhergezogen. Das zog sich bis in die Nullerjahre rein.
Selbst fahrende Objekte wie Silo- und Transportfahrzeuge trugen meine Bilder. Insofern ist mir das Arbeiten auf öffentlichem Terrain ziemlich vertraut.

Als Startfarbe dieses Projektes “Eis, Eisbaby” wählte ich die Farbe Schwarz. Ich finde die Farbe hat etwas Massives; kaum eine andere Farbe, wenn wir hier von Farbe reden,
ist dermaßen symbolisch belegt. Es schien mir daher schlüssig, so anzufangen.
Nach vier Wochen kamen weiße Linien auf das Schwarz. Da ich sie mit der Sprühdose auftrug, meldeten sich erste Passanten mit den Kommentaren:

“Wie können sie sowas machen? Schon der schwarze Kasten war eine architektonische Beleidigung für das Lenbachhaus!
Sie wissen schon, dass man sie dafür verhaftet!”

Manche Mütter mit Kindern waren hingegen entzückt, dass überhaupt was passiert.

Nach weiteren drei Wochen setzte ich Farbflächen gegen die Linien auf Schwarz ein und erhielt erstmals von vorneherein positives Feedback.
Überhaupt seit die “Neue Geometrie” auch in die Modewelt eingezogen ist, scheinen einfache monochrome Dreiecke auf breite Zustimmung zu stossen.
Sog. ‘Hipster’ ließen ihre Retroräder davor abfotografieren. Was ein bißchen Farbe so ausmacht!

Durch den kunstträgen August ist der vierte Schritt erst nach knapp 6 Wochen erfolgt. Hierfür schuf ich bereits im Atelier eine Schrift-Schablone, die ein Zitat enthält.
Es handelte sich um eine von einer Immobilienfirma initiierte Antigraffiti-Kampagne in New York Ende der Achtziger Jahre.
Originaltext:
‘Graffetti Writers Are Mean and Cruel and Have No Respect For Themselves or Others’
Dieser Ausspruch betrifft meine künstlerische Vergangenheit als Graffiti-Künstler. Jedoch ist heute Graffiti in dem Oberbegriff Streetart mit einhergegangen, die in den letzten Jahren sowohl Presse-, als auch kommerzielle Erfolge feierte.
Somit durfte der Einzug in die breite Aufmerksamkeit endgültig gelungen sein. Subkultur goes Pop. Streetart kann man nun auch in Museen betrachten.
Ich musste daher nur Graffetti (Richtig: Graffiti) aus dem Satz entfernen und es ins Deutsche übersetzen.
Diese Art “Anschlag” an der bunten Bude löste selbstverständlich sofort Reaktionen aus.
“Künstler sind gemein und grausam, respektieren weder sich noch andere” prangt nun am Eishäuschen, dass direkt neben dem renommierten Museum steht. Ja, wie soll man das jetzt verstehen?

Das Arbeiten im öffentlichen Raum ist in meinem Fall sehr befruchtend. Ich lasse den Einfluss der Umgebung wie die Architektur und die dynamischen Faktoren Tageszeit und Passanten direkt auf mich einwirken.
Fast könnte man sagen, die Arbeit entsteht durch einen Dialog mit der Öffentlichkeit.

Ich bin gespannt auf die nächsten Reaktionen…

Daniel Man (geb. 1969 in London) ist ein zeitgenössischer Künstler und bemalt ca. alle 4 Wochen für den Zeitraum eines Jahres die Eisbude des Cafe/Restaurants ELLA vor dem Lenbachhaus. Er wird vertreten von der Galerie Nusser & Baumgart, München.

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