von Marlene Gauß.

Das bisschen Haushalt macht sich von allein,
sagt mein Mann.
Das bisschen Haushalt kann so schlimm nicht sein,
sagt mein Mann.
Wie eine Frau sich überhaupt beklagen kann ist unbegreiflich […]
Er muß zur Firma geh’n, tagein tagaus,
sagt mein Mann.
Die Frau Gemahlin ruht sich aus zu Haus […]

Mit diesem Song schrieb Johanna von Koczian 1977 Musikgeschichte. Doch was hat sich an der im Song beschriebenen Rollenverteilung und Wertigkeit der Hausarbeit – und vielleicht auch des Mutterdaseins – fast 40 Jahre nach der Chartstürmung geändert? Die Frauen bringen nach wie vor die Kinder zur Welt, stillen diese nach Wunsch und Möglichkeit, und da sie in ihrem außerhäuslichen Beruf bewiesenermaßen meist weniger für ihre „Firma“ Familie erwirtschaften als der Partner, sind sie es häufig, die – zumindest für eine Weile – im Arbeitsfeld Haushalt und Kindererziehung tätig sind. Dies soll allerdings nicht unerwähnt lassen, dass sich Frauen auch ganz bewusst und dauerhaft für die Arbeit zu Hause entscheiden.

Es ist aber nicht verwunderlich, dass zu unserer ersten Führung Frischgebacken! ausschließlich Mütter mit ihren Babys eintrafen. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase bewegten sich die Teilnehmerinnen mit ihren Babys und dazugehörigen Kinderwägen oder Tragetüchern zunehmend freier durch die Ausstellung, so dass sich dialogische und ungezwungene Gesprächssituationen entwickelten. Für anregenden Gesprächsstoff sorgte besonders die Arbeit Semiotics of the Kitchen (1975) von Martha Rosler. In der Videoarbeit führt die Künstlerin auf performative Weise und in alphabetischer Reihenfolge Werkzeuge und Materialien aus der Küche und aus dem Arbeitsfeld einer stereotypen Hausfrau vor. Sie stellt die Verbindung zu geschlechtlichen Rollenzuweisungen sowie die damit einhergehende Sprachverwendung zur Diskussion. Und schon befinden wir uns in der eingangs eröffneten Debatte. Denn an dieses Werk anknüpfend, ergab sich die Frage, wie sich die Teilnehmerinnen selbst in der Arbeitsrolle Mutter und Hausfrau wahrnehmen und wie sie diese Arbeit im Vergleich zu ihrer eigentlichen Lohnarbeit bewerten. Es entstanden zwei konträre Positionen, die besonders das Thema der Selbst- und Fremdbestimmung im Mutterdasein diskutierten. Entscheidend für die sich fremdbestimmt fühlenden Mütter war vor allem die permanent eingeforderte Präsenz – ohne Wochenende und Freizeit – sowie der kindbestimmte Tages- und Nachtablauf, die das Gefühl der Selbstbestimmung in der mütterlichen Tätigkeit untergraben. Verstärkende Faktoren bilden die teilweise fehlende Anerkennung durch die Gesellschaft und in der Partnerschaft, der Mangel am intellektuellen Anspruch sowie das ausbleibende positive Erfolgsgefühl, das sich über ein beispielsweise erfolgreiches Meeting einstellt. Denn am Ende des Tages wird – vielleicht – niemand bemerken oder honorieren, wie viel und welche wertvolle Arbeit im Mutter- und Hausfrauendasein geleistet wurde. Der schönste und manchmal einzige Lohn einer Mutter – so eine Teilnehmerin – „ist das Lächeln deines Babys, das dich für alles entschädigt“.

Das Problem der Fremdbestimmung ist zweifelsohne kein Alleinstellungsmerkmal der Hausfrau und/oder Mutter. Gerade in der allgemein anerkannten modernen Arbeitswelt ist das Thema der Selbst- und Fremdbestimmung sehr präsent. Hier sind die Grenzen dieser beiden Pole häufig sehr viel uneindeutiger und subtiler. Denn wer gibt schon gerne zu, fremdbestimmt zu arbeiten? Die Suggestion des selbstbestimmten Arbeitens wird über verschiedene Mechanismen gesteuert, beispielsweise über hohe Löhne und ein großes Maß an Eigenverantwortung. Nicht zuletzt ist das Evozieren des Gefühls der Selbstbestimmung ein Mittel, um über die dadurch gesteigerte Motivation ein größeres Leistungsvolumen abrufen zu können. Ein Problem unserer Gesellschaft ist, dass außer Leistung, Ertrag, Zahlen und Effizienz – aber auch nur dann, wenn diese offensichtlich und abprüfbar sind – kaum etwas zählt oder honoriert wird.
Und genau damit kämpfen Mütter, obwohl sie einer sehr wichtigen und unverzichtbaren Aufgabe nachgehen, nämlich der Erziehung und Bildung einer nachfolgenden Generation mit dem Ziel der Selbstbestimmung: wie ambivalent!?

Marlene Gauß studiert Fachdidaktische Vermittlungswissenschaften- Mediating Culture an der Universität Augsburg und ist Praktikantin im Bereich Kunstvermittlung in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München.

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