von Per Brandt.

Statistisch, so der deutsche Glücksforscher Tim Tiefenbach, sei die Sache recht klar: „Menschen, die nach Arbeit suchen, sind signifikant unglücklicher als Menschen in Arbeit. Dies ist auch dann der Fall, wenn man die durch Einkommenseinbuße verursachten negativen Glückseffekte herausrechnet.“ Einen lakonischeren Ton schlägt der spanische Künstler Ignacio Uriarte an: „Arbeit kann glücklich machen. Im besten Fall dient sie der Selbstverwirklichung. Und im schlechtesten Fall hat man wenigstens das Gefühl, etwas abgehakt und erledigt zu haben: Arbeit gibt einem einen guten Grund, nach Feierabend die Füße hochzulegen.“ Doch auch wenn sich die meisten von uns durch Arbeit glücklicher wähnen, bleibt das Thema beruflicher Selbstverwirklichung strittig. Eine mögliche Kehrseite hebt die japanische Künstlerin Momoe Melon polemisch hervor: „Arbeit ist eine suchterzeugende, masochistische Leidenschaft zur Überwindung von Schuldgefühlen. Doch je mehr man arbeitet, umso unzureichender fühlt man sich.“ Hieran anschließend stellt sich die Frage, inwiefern wir eigentlich selbstbestimmt arbeiten, wenn wir nur teilweise Herr unserer inneren Triebkräfte sind. Vielleicht beruht das Glücksversprechen formal selbstbestimmter Arbeit auf einem zu einfachen Subjektkonzept.

Das Verhältnis von Arbeit und Glück werden Tiefenbach, Uriarte und Melon zusammen mit fünf anderen Kulturschaffenden und Wissenschaftlern aus Japan, Spanien und Deutschland am 25. Mai diskutieren. Bei der öffentlichen Veranstaltung, die in den Münchner Kammerspielen stattfindet, wird es nicht nur um persönliche Wahrnehmungen, sondern auch um historische Prozesse und kulturelle Differenzen gehen: Wie verändern selbstbestimmtere oder zumindest flexiblere Formen der Arbeit, insbesondere Zeitverträge und Projektarbeit, unser Leben? Inwiefern unterscheidet sich das Verständnis von Leistung und Erfolg in Japan, Spanien und Deutschland? Und was bedeutet der Mangel oder dauerhafte Verlust von Arbeit? Die Veranstaltung zum Thema „Macht Arbeit glücklich?“ schließt die globale Diskussionsreihe WORLD WIDE : WORK ab, die per Live-Schaltung Diskutanten aus unterschiedlichen Weltstädten zusammenbringt. Veranstalter sind das Goethe-Institut, die Münchner Kammerspiele und die Nemetschek-Stiftung in Zusammenarbeit mit DOK.fest.

Weitere Informationen zur Veranstaltung am kommenden So, 25. Mai 2014: Eine globale Debatte zwischen Tokio, Madrid und München finden Sie auf der Webseite von WORLD WIDE : WORK.

Per Brandt studiert Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und ist Praktikant im Bereich Wissenschaft und Zeitgeschehen in der Zentrale des Goethe-Instituts.

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