von Elisabeth Giers.

Fünf Buchempfehlungen zu PLAYTIME
Eine Kooperation der Städtischen Galerie im Lenbachhaus mit Munich Re zum Thema Arbeit

Die aktuelle Ausstellung PLAYTIME im Kunstbau der Städtischen Galerie im Lenbachhaus zeigt künstlerische Positionen, die sich mit der gesellschaftlichen, politischen und künstlerischen Bedeutung von Arbeit beschäftigen. Elisabeth Giers ist wissenschaftliche Volontärin im Lenbachhaus und hat die Ausstellung mitkuratiert. Was sie während der Vorbereitung der Ausstellung PLAYTIME gelesen hat und empfehlen kann, finden Sie in Ihren folgenden fünf Tipps.

1. Juliet Aranda, Brian Kuan Wood, Anton Vidokle: e-flux journal: Are You Working Too Much? Post-Fordism, Precarity, and the Labor of Art, Sternberg Press 2011.
Die Publikation versammelt Texte verschiedener KünstlerInnen, KuratorInnen und TheoretikerInnen, die sich mit dem Thema der künstlerischen Arbeit und künstlerischem tätig sein in Zeiten des Post-Fordismus beschäftigen. Längst gelten KünstlerInnen und Kreative als Prototypen für den flexibilisierten und zur Selbstausbeutung konditionierten Menschen. Aber warum sind so viele talentierte und hyper-qualifizierte Menschen bereit in einem Feld zu arbeiten, das zwar einen gewissen Grad an Freiheit und Eigenverantwortlichkeit bietet, aber für einen Großteil der Tätigkeiten kaum oder gar keinen Lohn?

2. Richard Sennett: Handwerk, Berlin Verlag 2009
Mit diesem Band beschreibt der amerikanische Soziologe Richard Sennett das Handwerk als ein grundlegendes menschliches Bestreben, Tätigkeiten um ihrer selbst willen sorgfältig auszuführen. Den Begriff des Handwerks weitet er aus, indem er ihn nicht nur auf Schreiner oder Schlosser bezieht, sondern ebenso auf Dirigenten, Programmierer oder Philosophen, die ebenfalls „ihr Handwerk verstehen“ sollten. Besonders interessant – gerade auch in Bezug auf die in der Ausstellung PLAYTIME gezeigten Filme von Richard Serra „Hands Scrapping“ und „Hands Catching Lead“ – ist das fünfte Kapitel, in dem Sennett das Zusammenspiel bzw. die Einheit von Kopf und Hand untersucht. Die Hand als der Körperteil mit dem größten Repertoire „unterschiedlicher und willentlich steuerbarer Bewegungen“ steht in unmittelbarem Zusammenhang mit unserem Denken. Während Serra in seinen Filmen den Fokus auf ganz grundlegende Fähigkeiten der menschlichen Hand legt, dem Greifreflex und dem Tastsinn, analysiert Sennett die komplexen Beziehungen zwischen Kopf und Hand beispielhaft anhand hochspezialisierter Tätigkeiten von Musikern, Köchen und Glasbläsern.

3. Paul Lafargue: Das Recht auf Faulheit
Mit seiner Schrift von 1880 beabsichtigte Paul Lafargue, französischer Sozialist und Arzt, eine Widerlegung des in der Pariser Februarrevolution von 1848 geforderten „Rechts auf Arbeit“. Er kritisierte damit die ideologischen und kapitalistischen Grundlagen des Arbeitsbegriffs seiner Zeit, die bürgerliche Arbeitsmoral, die Folgen der Überproduktion sowie die Arbeiterbewegung selbst. Lafargue widerspricht mit diesem Text in weiten Teilen den Thesen von Marx und Engels, setzt mit seine Kritik am Kapitalismus an anderer Stelle an und lehnt im Gegensatz zu ihnen einen Fortschrittsgedanken entschieden ab.

4. Dan Perjovschi: I Draw. I Happy, Hrsg. von Lutz Becker und Sabine Oelze, Schnittraum Köln 2005
Der rumänische Künstler Dan Perjovschi ist bekannt für seine cartoonartigen, großformatigen Wandzeichnungen. Wichtiges Arbeitsinstrument und Vorstufe dieser stets temporären und ortsbezogenen Arbeiten sind seine Skizzenbücher, in denen Perjovschi Alltagsbeobachtungen und Momentaufnahmen zeichnerisch festhält. Für PLAYTIME hat er im Kunstbau mit „Still Drawing Moving News“ eine Wandarbeit realisiert, in der Zeichnungen mit projizierten Zeichnungen kombiniert werden. Nach der Ausstellung wird nur das Skizzenbuch seines Projektes für PLAYTIME erhalten bleiben, während die Wandzeichnungen selbst übermalt werden.
Die Edition „Dan Perjovschi: I Draw. I Happy“, die 2005 vom Schnittraum Köln publiziert wurde, vermittelt einen Eindruck über die Arbeitsweise des Künstlers und den Charakter seiner Skizzenbücher.

5. Nina Möntmann (Hg.): Schöne neue Arbeit. Ein Reader zu Harun Farockis Film Ein neues Produkt, Verlag der Buchhandlung Walther König 2014.
Der Reader diskutiert Fragen, die Harun Farockis Film „Ein neues Produkt“ (2012) aufwirft. Über ein Jahr begleitete der Filmemacher die Hamburger Unternehmensberatung Quickborner Team in ihren Meetings und beobachtete auf diese Weise den Umgang mit der Ressource Mensch in der modernen Arbeitswelt. Der daraus resultierende Film ist in der Ausstellung PLAYTIME zu sehen. Die in dem Reader versammelten Essays von Diederich Diederichsen, Dirk Baecker, Andreas Rumpfhuber, Mark Fisher, Nina Power und Anthony Iles beziehen sich nicht ausschließlich auf Farockis Film, sondern beleuchten zudem Themen wie die Geschichte der Arbeitswissenschaft und ihre gesellschaftlichen Implikationen sowie Aspekte postfordistischer Arbeitsbedingungen.

Mehr Literatur zu PLAYTIME finden Sie im Online-Shop des Lenbachhauses.

Elisabeth Giers ist wissenschaftliche Volontärin am Lenbachhaus.

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