von Claire Marondel.

 World Wide: Work am 30.03.: Globale Debatte zwischen Kairo, Delhi und München zu „Männerarbeit, Frauenarbeit?“

Zwei indische Fischerinnen waten barfuß durch das seichte Wasser bevor sie in ihr Boot steigen, um wie jeden Tag aufs Meer hinaus zu rudern. Sie kennen körperliche Belastungen genauso wie Verletzungen und setzen sich trotzdem immer wieder hohen Risiken aus. Es geht um ihr Überleben, weshalb sie nicht davor zurückschrecken so genannte „Männerarbeit“ zu verrichten: „The man is unable to work. So we can survive only if the women go out to work. We don’t go out to sea as women; we go out like men.“ Soweit die Perspektive der Frauen aus Leena Manimekalais Dokumentation „Goddesses“, die am 30.März als indischer Filmbeitrag zur Debatte über „Männerarbeit, Frauenarbeit?“ in den Münchner Kammerspielen gezeigt werden wird.

„Malochen ist männlich“ sagt hingegen einer der Bauarbeiter, der den Fragebogen der Künstlerin Monica Bonvicini beantwortet hat. Der Großteil der befragten Handwerker hält den Bau für eine Männerdomäne, da Frauen „körperlich zu schwach“, die Arbeit zu „hart“ und die Baustelle zu „schmutzig“ sei. Bonvincinis Fragebogenserie mit dem Titel What Does Your Wife / Girlfriend Think of Your Rough and Dry Hands? (1999 / ongoing) widmet sich neben vielen anderen künstlerischen Positionen, wie das Berwick Street Collective mit dem Video Nightcleaners Part 1 (1975) oder das Werk I make Maintenance Art One Hour Every Day (1976) der Künstlerin Mierle Laderman Ukeles in der aktuellen Ausstellung PLAYTIME im Lenbachhaus diesen geschlechterspezifischen Fragen zum Thema Arbeit. Welche Tätigkeiten sind weibliche oder männliche Domäne? Wie werden diese gesellschaftlichen Kategorien künstlerisch reflektiert?

Auch die kommende Veranstaltung im Rahmen von World Wide: Work wird diese Fragen aufgreifen und den Blick auf das Thema Arbeit global ausweiten. Was haben Indien, Deutschland und Ägypten gemeinsam, wenn es um die Frage nach typisch männlicher und typisch weiblicher Arbeit geht? Wo liegen die Unterschiede? In Delhi und Kairo besteht für die Frauen – und damit für die gesamte Gesellschaft im Zuge der sozialen und politischen Umbrüche – die Chance sich langsam aus überkommenen Rollenverhältnissen hinauszubewegen. Auch hierzulande haben viele der Fragen zu fehlender Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in der Arbeitswelt nicht ihre Brisanz verloren.

Der Diskussion um die Frage „Männerarbeit, Frauenarbeit?“ will das Goethe-Institut gemeinsam mit der Nemetschek Stiftung und den Münchner Kammerspielen im Rahmen der Diskussionsreihe World Wide: Work eine Plattform bieten. Alle Interessierten haben die Möglichkeit, die Debatte am 30. März 2014 ab 11:00 Uhr vor Ort in den Münchner Kammerspielen mitzuverfolgen, wenn die Autorin Meredith Haaf sowie die Literaturprofessorin und Autorin Barbara Vinken mit Experten und Künstlern in Kairo und Delhi diskutieren werden. Weitere Information zu den vergangenen und kommenden Veranstaltungen finden Sie auf der World Wide: Work Website: www.goethe.de/ges/prj/www/.

Claire Marondel studiert Europastudien an der Katholischen Universität Eichstätt und ist Praktikantin im Bereich Wissenschaft und Zeitgeschehen in der Zentrale des Goethe-Instituts.

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