von Sandra Schwarzwalder.

Die Grenze zwischen Arbeit und Leben wird in der heutigen Zeit durchlässig: Arbeit ist mittlerweile identitätsstiftend und nicht mehr nur Mittel um sein tägliches Brot zu verdienen. Die Frage „was arbeitest du?“ ist nicht mehr nur eine Frage nach einer Erwerbstätigkeit, sie wirkt zugleich erläuternd: Wer ist diese Person, die mir gegenüber steht? Was interessiert sie?
Welches Metier in der heutigen Zeit angesehen ist oder nicht, unterliegt den Konventionen und natürlich auch ein Stück weit der eigenen Persönlichkeit. Ein gutes Beispiel wären Künstler. „Künstler, was machen die schon?“ In einigen Kreisen werden sie belächelt, bei anderen bekommen sie höchstes Ansehen und Respekt. Behält man im Hinterkopf, dass Künstler weder einen gesicherten Arbeitsplatz, ein gesichertes Einkommen, noch geregelte Arbeitszeiten haben, wird die Vorstellung des Traumberufs Künstler mit dem lockeren Leben von einer existentiellen Unsicherheit abgelöst.
Künstlerarbeit und viele weitere Aspekte von „Arbeit“ allgemein werden in der neueröffneten Ausstellung PLAYTIME beleuchtet und hinterfragt. Wie haben sich die Arbeitsbedingungen in unserer Zeit verändert? PLAYTIME erzählt von einer Thematik, die jeden betrifft!

PLAYTIME entstand innerhalb der neuen Kooperation des Lenbachhauses mit Munich Re und wurde am vergangenen Freitag als erstes großes Projekt des neuen Direktors des Lenbachhauses Matthias Mühling feierlich für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Munich Re und das Lenbachhaus haben als Schwerpunkt ihrer Zusammenarbeit die Vermittlung zeitgenössischer Kunst gesetzt und PLAYTIME damit als den perfekten Auftakt gewählt. Die Ausstellung im Kunstbau knüpft an den gleichnamigen Film von Jacques Tati von 1967 an. Im Rahmen von Vorträgen, Diskussionen und einem Kolloquium an der Ludwig-Maximilians-Universität wird man sich ein Jahr lang mit dem breiten Thema Arbeit beschäftigen. Werke von 42 Künstlerinnen und Künstlern – seien es Fotos, Installationen oder Kurzfilme – dürfen nun in der Ausstellung bestaunt werden . Die verschiedenen Denkweisen von Künstlerinnen und Künstlern aus den 1960ern bis heute treffen aufeinander und lassen in PLAYTIME einen spannenden und vielschichtigen Dialog entstehen. Bei dieser Ausstellung ist der Besucher gefragt nicht nur mitzudenken, sondern auch selbst zu handeln. Beate Engl erschuf dieses Jahr extra für PLAYTIME eine „Burnout Machine“ , bei der der Betrachter zum Akteur werden soll, indem er an einem Rad dreht, das einen Bürostuhl auf einem pyramidenförmigen Unterbau zum drehen bringt.

Comicartige Zeichnungen und Schriftbilder, die der rumänische Künstler Dan Perjovschi an die Wand geschrieben hat, führen die Besucherinnen und Besucher in die Ausstellung ein. Sie nehmen auf politische Ereignisse wie die Krimkrise ebenso Bezug wie auf das große Themenfeld der modernen Arbeitswelt im globalen Kapitalismus. Ein Schmunzeln wird hiermit selbst dem misstrauischstem Besucher entlockt! Mit etwas Ironie und Witz sollte der Besucher an eigene Werke rangehen und das kritische Denken nicht vergessen. PLAYTIME ist also nicht nur eine Herausforderung sich in die Werke von vielen verschiedenen Künstlern hineinzudenken, es bringt auch Spaß – egal in welchem Alter.

Sandra Schwarzwalder studiert Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften an der Universität Konstanz und ist Praktikantin in der Abteilung für Kommunikation in der Stäadtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München.

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