von Katrin Dillkofer.

Fünf Buchempfehlungen zu PLAYTIME
Eine Kooperation der Städtischen Galerie im Lenbachhaus mit Munich Re zum Thema Arbeit

In wenigen Wochen eröffnet eine neue Ausstellung im Kunstbau der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, die sich einer Vielzahl künstlerischer Positionen widmet und der Frage nach der gesellschaftlichen, politischen und künstlerischen Bedeutung von Arbeit nachgeht. Katrin Dillkofer ist wissenschaftliche Volontärin im Lenbachhaus und hat an der Ausstellung mitkuratiert. Was sie zur Zeit für die Ausstellung PLAYTIME liest und zum Lesen empfehlen kann, finden Sie in Ihren folgenden fünf Tipps.

1. Ödon von Horvath, Kasimir und Karoline, (hrsg. von) Klaus Kastberger und Kerstin Reimann, Reclam 2009.
Auf dem Oktoberfest kommen sich Kasimir und seine Karoline abhanden. Kasimir hat soeben seine Stelle verloren und ist voller Schwere. Es geht um die allgemeine Krise in den 30er Jahren und das Private, die sich nicht trennen lassen. Karoline lässt sich auf den skuril-verdrucksten Schürzinger ein, der Karoline wiederum für eine Beförderung an seinen Chef verschachert. Das führt zu der grausamen Erkenntnis, dass das Innig-Sehnsuchtsvolle und Abgründig-Vorteilssuchende allen Menschen (auf der Theresienwiese) gemein ist.

2. Luc Boltanski, Eve Chiapello, Der neue Geist des Kapitalismus, UVK Universitätsverlag Konstanz 2003.
Nach Boltanski und Chiapello ist der Kapitalismus deswegen ein so erfolgreiches System, weil er sich den sich verändernden Bedingungen anpassen und immer wieder Menschen für die Ziele der Gewinnmaximierung begeistern kann. Der Kapitalismus besitzt darüber hinaus die Fähigkeit, sich die gegen ihn hervorgebrachte Kritik einzuverleiben und damit zu nivellieren. Gerade die Künstlerkritik, welche in den 60er Jahren die Bürokratie- und Autoritätshörigkeit anprangerte und sich gegen die Entfremdungserscheinungen in den Arbeitsprozessen auflehnte, macht sich der neue Geist des Kapitalismus zu eigen. Er zeichnet sich durch Flexibilität, Kreativität und Eigenverantwortung aus. Mit diesen Fähigkeiten ausgestattet kann der Mensch in einer Welt, die als „Netz und Projekt“ gedacht ist, erfolgreich sein.

3. Ein Gespräch zwischen Falk Richter und Richard Sennett. Das System sozialer Kommunikation versagte auf ganzer Linie, in: TRUST, Theater der Zeit 2010.
Falk Richter schreibt Stücke und inszeniert seine Texte selbst. Mehrfach hat er sich damit auseinandergesetzt, wie das System des Finanzkapitalismus in sämtliche Lebensbereiche eindringt und durch seine Perspektivität (Erfolg!) andere menschliche Bedürfnisse in die Enge treibt (TRUST, Unter Eis usf.). Mit dem amerikanischen Soziologen Richard Sennett spricht er über das Scheitern der sozialen Kommunikation in der Finanzindustrie, welches die Finanzkrise entscheidend bedingte.

4. Bertolt Brecht, Die heilige Johanna der Schlachthöfe, Edition Suhrkamp 2009.
Die Arbeiter auf den Schlachthöfen von Chicago geht es schlecht. Für das viele Fleisch gibt es in der Krise keine Abnehmer. Johanna versucht das Elend mit Hilfe der schwarzen Strohhüte (Heilsarmee) zu mildern, und begreift erst zuletzt, dass mit religiös motivierte Frömmigkeit der Schlechtigkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse nicht beizukommen ist – im Gegenteil! Brecht verdeutlicht in struktureller Hinsicht, welche Macht die aufstrebenden Börsenunternehmen auf Kosten der Menschen gewinnen und welche Mechanismen ein derartiges Finanzsystem stabilisieren.

5. Kunst und Kalter Krieg. Deutsche Positionen 1945-89, Ausst. Kat., (hrsg. von) Stephanie Barron und Eckhart Gillen, DUMONT Literatur und Kunst Verlag 2009.
Mit Beiträgen von Diedrich Diederichsen, Susanne Leeb, Eckhart Gillen u.a. Der Katalog gibt einen umfangreichen Überblick über die bildende Kunst in beiden deutschen Staaten im Zusammenhang des Kalten Krieges. Themenschwerpunkte sind die Nationalisierung bzw. Internationalisierung der Ästhetik, die Frage der Technologie und Medien und die Arbeit an Trauma, Gewalt und Gedächtnis.

Katrin Dillkofer ist Assistant Curator in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München.

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