Helmut Friedel unterstützte aber auch maßgeblich die wissenschaftliche Bearbeitung und Publikation von Werkverzeichnissen zu einzelnen Künstlern, die im Lenbachhaus mit großen Werkkomplexen vertreten sind. So entstanden mit fachlicher Unterstützung des Lenbachhauses und insbesondere Helmut Friedels Werkverzeichnisse zu den Skulpturen von Per Kirkeby (1998), Noryuki Haraguchi (2001), zu den Gemälden und Objekten von Rupprecht Geiger (2003) oder zum Atlas von Gerhard Richter (1997 und 2006).
Zum Blauen Reiter erschienen 1999 ein Verzeichnis des lithographischen Werks von Alfred Kubin, 2004 das Werkverzeichnis der Gemälde und der Aquarelle, Gouachen und Zeichnungen sowie der Skizzenbücher und der Druckgraphik von Franz Marc in drei Bänden und schließlich in Zusammenarbeit mit der Societé Kandinsky in Paris das Verzeichnis Kandinsky. Drawings / Werkverzeichnis der Zeichnungen bearbeitet von Vivian Endicott Barnett (2006/07), ebenfalls in zwei Bänden.

Als Vorsitzender der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung gab Helmut Friedel im Jahr 2000 das Verzeichnis des druckgraphischen Werks von Gabriele Münter heraus und 2007 die umfangreiche wissenschaftliche Publikation Wassily Kandinsky. Gesammelte Schriften 1889 – 1916, bearbeitet von Jessica Boissell. Im selben Jahr erschien im Zusammenhang mit einer umfangreichen Ausstellung der Katalog des druckgraphischen Werks Gabriele Münters, herausgegeben von Helmut Friedel im Auftrag der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung. Es folgte die digitale Erschließung und wissenschaftliche Bearbeitung der in der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung aufbewahrten Photographien Gabriele Münters, die 2007 in einer zweibändigen Publikation von Helmut Friedel herausgegeben wurde: Die Reise nach Amerika. Photographien 1899-1900 (Bd. 1) und Die Jahre mit Kandinsky. Photographien 1902-1914 (Bd. 2). Derzeit noch in Bearbeitung befindet sich darüber hinaus das Werkverzeichnis der Gemälde von Gabriele Münter.

Abschließend lässt sich festhalten, dass das Lenbachhaus unter der Leitung Helmut Friedels deutlich an Größe, nationaler und internationaler Bedeutung gewonnen hat, der Sammlungsbestand vor allem im Bereich der zeitgenössischen Kunst enorm erweitert werden konnte und das Haus in München neben den Staatlichen Kunstsammlungen und im gesamten Kunstareal weiterhin seinen eigenen festen Platz verteidigen konnte. Höhepunkt und krönender Abschluss seiner langjährigen Tätigkeit bilden zweifellos die Generalsanierung und Wiedereröffnung des Museums. Die langen Jahre der Planung, Vorbereitung, Überlegungen und Diskussionen in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro von Norman Foster sowie dem Baureferat der Stadt München haben schließlich zu einem sehr gelungenen und weltweit anerkannten Ergebnis geführt. Außerdem hat sich Helmut Friedel sehr dafür eingesetzt in enger Zusammenarbeit mit dem Münchner Künstler Dietmar Tanterl, der Firma OSRAM und dem Baureferat eine auf LEDs basierende Beleuchtung für das gesamte Museum zu entwickeln und technisch umzusetzen. Licht gehört zu den zentralen Themen eines Museums und auch hier ist dem Lenbachhaus eine vorbildliche Lösung gelungen. Für die Kunst am Bau des neuen Museums setzte sich Helmut Friedel ebenfalls schon früh mit namhaften zeitgenössischen Künstlern zusammen, um auch hier markante künstlerische Akzente zu setzen, die einerseits im Einklang mit der historischen ebenso wie der von Foster + Partner neu entwickelten Architektur stehen, zugleich aber auch einen inneren Bezug zu der spezifischen Kunstsammlung und der Geschichte des Lenbachhauses herstellen sollten. So entwickelte Thomas Demand für den neuen Zugang des Lenbachhauses eine bereits aus der Ferne sichtbare Schriftskulptur LENBACHHAUS, deren einzelnen, plastisch geformten Buchstaben sich von einer Antiquaschrift in der Grundfläche nach vorne zu einer Groteskeschrift verjüngen. Beide Schriftebenen der Metallplastik verbinden keilförmige Stege. Während die Antiquaschrift 1929 bei der Eröffnung der Städtischen Galerie im Lenbachhaus als Typographie verwendet wurde, entspricht die Groteske dem heutigen Schriftgebrauch. Für das neu entstandene Atrium schuf der dänische Künstler Olafur Eliasson 2011/2012 eine grandiose Lichtskulptur aus poliertem Metall und farbigem Glas mit dem Titel Wirbelwerk. Sie reicht von der Decke bis dicht über die Köpfe der Besucher herab. Durch die Lampen im Innern strahlt die Skulptur als Leuchte und projiziert farbige Lichtbilder auf die umliegenden Wände. Damit gestaltet sie nicht nur sehr eindrucksvoll das große Eingangsfoyer, sondern greift zugleich Bezug das zentrale, in der Sammlung des Lenbachhauses in vielfältiger Weise immer wieder behandelte Thema von Licht und Farbe auf.

Das neue Lenbachhaus wurde sofort vor allem von den Münchnern angenommen, ist stets sehr gut besucht und erfreut sich allgemeiner großer Beliebtheit. Auf diese Weise äußert die ganze Stadt ihr Lob und ihren Dank an den nun sich in den verdienten Ruhestand verabschiedenden Direktor Helmut Friedel.

Irene Netta ist Leiterin der Abteilung Sammlungsarchiv und Provenienzforschung in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München

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