Von Dezember 1999 bis zum Frühjahr 2013 betreute Helmut Friedel im Namen des Lenbachhauses und im Auftrag der Erben den Nachlass des 1982 verstorbenen Künstlers Günter Fruhtrunk. Schon in den 70er Jahren gehörte er zu den ersten Künstlern, die im Lenbachhaus ausgestellt und in die noch junge Kunstsammlung zeitgenössischer Positionen aufgenommen wurden. Fruhtrunk zählte in den 60er, 70er und beginnenden 80er Jahren zu den bedeutendsten Malern in München und war als Akademieprofessor von größtem Einfluss für eine ganze Generation von Malern. Der Nachlass verwahrte in erster Linie die hinterlassenen Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle und Druckgraphiken des Malers. Der Schwerpunkt der Nachlassverwaltung lag in der wissenschaftlichen, konservatorischen und restauratorischen Betreuung. Im Zuge der Auflösung des Nachlasses Anfang 2013 erhielt das Lenbachhaus als Dank für das Engagement Helmut Friedels das umfangreiche Konvolut Z mit über 40 außergewöhnlichen Papierarbeiten des Künstlers sowie 16 mehrfarbige Serigrafien als großzügige Schenkung überreicht. Sie sind eine wichtige Ergänzung zu den seit den 1970er Jahren nach und nach in den Sammlungsbestand aufgenommenen 12 Gemälden.

Nicht zuletzt ist es darüber hinaus Helmut Friedels Engagement zu verdanken, dass die private KiCo Stiftung in den letzten Jahren zahlreiche große Arbeiten und Installationen zeitgenössischer Künstler für das Lenbachhaus erworben hat und das Haus auch zukünftig unterstützen wird. Die KiCo-Stiftung wurde im Dezember 2009 von einem Sammlerehepaar ins Leben gerufen, das schon vor gut 15 Jahren begonnen hat, junge zeitgenössische Kunst zu sammeln und dabei von Anfang an die kontinuierliche Zusammenarbeit mit öffentlichen Museen gesucht hat. Die erworbenen Werke sollten nicht in eine eigene Privatsammlung aufgenommen werden, sondern auf Dauer einem Museum zur Verfügung stehen und regelmäßig der Öffentlichkeit gezeigt werden. Bereits seit Mitte der 1990er Jahre besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Bonner Kunstmuseum und seit Ende der 1990er Jahre auch mit der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München. Die Auswahl und Entscheidungen für den Ankauf von Kunstwerken werden im direkten Dialog mit den Direktoren und Kuratoren des Bonner Kunstmuseums und des Lenbachhauses getroffen, wobei immer auch auf eine sinnvolle und denkbare Erweiterung der jeweiligen Kunstsammlungen beider Institutionen Rücksicht genommen wird. Bei der Auswahl zeitgenössischer Positionen konzentriert sich die Sammlung KiCo auf solche, die sich mit der Auflösung des Gegenständlichen in Licht und Farbe auseinandersetzen. Zudem werden nicht nur einzelne Arbeiten ausgewählt, sondern vollständige Werkgruppen oder die Konzeption ganzer Räume, die einen detaillierten Einblick in das Werk eines Künstlers geben sollen. Damit stehen die Intentionen des Sammlerehepaares dem Sammlungskonzept des Lenbachhauses sehr nahe. Für das Lenbachhaus wurden bisher bereits fast 30 große und auch mehrteilige Kunstwerke und Installationen erworben, darunter der Zyklus Yellowcake mit insgesamt neun Embassy-Fotoarbeiten von Thomas Demand, dem im neu eingerichteten Lenbachhaus ein eigener Raum gewidmet ist, sowie die für den Kunstbau geschaffene Lichtinstallation Sonne statt Regen von Olafur Eliasson.

Auch für den Sammlungsbereich der Kunst des 19. Jahrhunderts konnte Helmut Friedel eine für die Städtischen Galerie im Lenbachhaus wichtige Kooperation der mit der Christoph Heilmann Stiftung, München vereinbaren. Im Jahr 2012 wurden dabei rund hundert Werke der Stiftung dem Lenbachhaus überlassen. Eine erste Auswahl wird seit der Wiedereröffnung des Lenbachhauses im Mai 2013 im Rahmen der neuen Sammlungspräsentation vorgestellt. Nirgendwo sonst in Deutschland entwickelte sich seit 1800 die Landschaftsmalerei so reich und frei wie in München und gab Impulse für die Moderne. Mit der dauerhaften Aufnahme der Christoph Heilmann Stiftung in den Bestand des Lenbachhauses ist ein wesentlicher, neuer Akzent gesetzt. Es ergeben sich zwischen den beiden Sammlungskomplexen vielfältige Beziehungen, die zu einem vertieften Verständnis dieser für die Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts in München so wesentlichen Kunst beitragen können. Neben der Münchner Schule wird neu auch die Dresdner Romantik sowie die Berliner und Düsseldorfer Schule in charakteristischen Einzelbeispielen gezeigt.

Ein ebenfalls sehr wichtiges Verdienst von Helmut Friedel ist die Förderung zahlreicher Forschungsprojekte sowie die Erschließung des eigenen Sammlungsbestands in zahlreichen Bestandskatalogen ebenso wie in einer umfassenden Datenbank. Während die Sammlung des Blauen Reiter im Lenbachhaus bereits unter Hans Konrad Roethel bis heute immer wieder in verschiedenen, zum Teil auch monographischen Bestandskatalogen erfasst, bearbeitet und publiziert wurde, galt den übrigen Sammlungsbereichen in der Städtischen Galerie bis zu Helmut Friedels Amtsantritt weniger intensive Aufmerksamkeit. Nur insgesamt vier Kataloge mit Sammlungsübersichten und Neuerwerbungen der Städtischen Galerie im Lenbachhaus waren bis 1990 erschienen, daneben 1954 und 1980 Publikationen zu Franz von Lenbach. Helmut Friedel ließ dann nach und nach erst Aquarelle und Zeichnungen des 19. Jahrhunderts in zwei Bänden wissenschaftlich erschließen (1993 und 1997), es folgte eine Bestandsübersicht der figürlichen Plastik im Lenbachhaus 1830-1980 und als größeres Projekt die Erarbeitung eines Bestandskatalog der Kunst nach ’45, der 1999 unter dem Titel Das Gedächtnis öffnet seine Tore. Die Kunst der Gegenwart im Lenbachhaus zusammen mit einer umfassenden Ausstellung, die über das gesamte Lenbachhaus und den Kunstbau verteilt war, vorgestellt wurde. Kurz darauf konnte der Bestand an Zeichnungen von Thomas Theodor Heine im Lenbachhaus herausgegeben und in einer Ausstellung präsentiert werden, ebenso wie 2003 die Zeichnungen von Johann Georg von Dillis (1759-1841) aus dem Nachlass des Historischen Vereins Oberbayern, die als Dauerleihgabe im Lenbachhaus aufbewahrt werden. Neun Jahre später erschien schließlich der ebenfalls überfällige Bestandskatalog Vom Spätmittelalter bis zur Neuen Sachlichkeit. Die Gemälde im Lenbachhaus München. Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Städtischen Galerie im Lenbachhaus wurde außerdem 2004 ein Rückblick der Sammlungs- und Ausstellungsgeschichte verfasst und als hauseigene Publikation unter dem Titel 75 Jahre Lenbachhaus und Kunstbau vorgelegt. Zusätzlich zu diesen Publikationen bemühte sich Helmut Friedel seit 1996 immer wieder durch kleinere Sonderausstellungen innerhalb des Hauses, die eigene Sammlung unter bestimmten Themen wie zum Beispiel Serielle Strukturen, Amerikanische Kunst im Lenbachhaus, Fotografie im Lenbachhaus neu zur Diskussion zu stellen und neben den zahlreichen Sonderausstellungen als gleichwertig hervorzuheben. Anlässlich der Wiedereröffnung des Lenbachhauses 2013 erschienen noch einmal drei aktuelle Sammlungskataloge: zum Blauen Reiter, zur Gegenwartskunst einschließlich der KiCo-Stiftung und zur Sammlung von Werken von Joseph Beuys im Lenbachhaus zusammen mit der neu hinzu gewonnenen Schenkung von Lothar Schirmer. Auf besonderen Wunsch von Helmut Friedel wurde außerdem erstmals ein sogenanntes Hausbuch herausgegeben, dass Auskunft zur Geschichte, zur Sammlung und zum neu eröffneten Lenbachhaus und seiner Architektur gibt.

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