Helmut Friedel konnte 1994 einen großen Ausstellungsraum für das Lenbachhaus, den so genannten Kunstbau, hinzugewinnen. Der Errichtung dieser zusätzlichen, unterirdisch gelegenen Ausstellungshalle am Königsplatz waren langjährige Vorbereitungen und Planungen noch während der Amtszeit von Armin Zweite vorausgegangen. Am 10. April 1994 schließlich konnte er von Helmut Friedel mit der Ausstellung der für diesen ungewöhnlichen und großen Raum entworfenen Installation Ohne Titel (For Ksenija) des amerikanischen Künstlers Dan Flavin eröffnet werden. Der Kunstbau war ursprünglich ein ungenutzter Hohlraum zwischen der U-Bahn-Station Königsplatz und der Straße, der beim Bau der U-Bahn-Strecke von der Stadtmitte zum Olympiazentrum entstanden war. Der Architekt Uwe Kiessler gestaltete diesen Zwischenraum zu einem schlichten und großzügigen Ausstellungsraum um, der im Grundriss genau der darunter befindlichen U-Bahn-Station entspricht. Dabei handelt es sich um einen längsgestreckten Raum von ca. 110 x 14 Metern Länge und etwa 5 Metern Höhe. Der Raum wird in Längsrichtung durch eine Stützenfolge von 18 Pfeilern in zwei Schiffe geteilt. Das Besondere des Kunstbaus aber ist seine leichte Krümmung, die sich, wiederum technisch bedingt, aus der Anlage der Linienführung der U-Bahn ergibt. Diese folgt einem Kreisbogen von ungefähr 1,5 km Durchmesser, das bedeutet, der Raum hat eine Krümmung von etwa 120 cm.
Damit hatte die Städtische Galerie im Lenbachhaus in unmittelbarer Nachbarschaft eine zweite große Ausstellungshalle erhalten. Neben der historischen Villa Lenbachs und ihrer dem ausgehenden 19. Jahrhundert verpflichteten Architektur mit kabinettartigen Ausstellungsräumen stand nun zusätzlich ein großer durchgehender Raum internationalen Zuschnitts zur Verfügung. Dieser erst ermöglichte es dem Lenbachhaus, den zunehmenden räumlichen Ansprüchen zeitgenössischer Kunst gerecht zu werden, aber auch das mit der Ankaufspolitik eng verknüpfte Ausstellungswesen entschieden auszubauen. Insgesamt 66 umgangreiche Ausstellungen haben unter der Leitung Helmut Friedels in den letzten 20 Jahren zwischen 1994 und Ende 2013 im Kunstbau stattgefunden, darunter zahlreiche Präsentationen zeitgenössischer Kunst von Dan Flavin, Chuck Close, Jenny Holzer, Jeff Wall, Harald Klingelhöller, Rupprecht Geiger, Per Kirkeby, Gerhard Richter, On Kawara, Rosmarie Trockel, James Coleman, David Claerbout, Cerith Wyn Evans, Angela Bulloch/Tom Burr, Erwin Wurm und vielen anderen, als auch historischer Kunst wie etwa von Gabriel von Max, Paula Modersohn-Becker, Egon Schiele, Piet Mondrian, Marcel Duchamp oder Picasso in München sowie Themenausstellungen wie Tanzania, Der Kampf der Geschlechter, Mit dem Auge des Kindes – Kinderzeichnung und moderne Kunst, Pygmalions Werkstatt, Der Blaue Reiter und das neue Bild, Schattenrisse, Die verletzte Diva – Hysterie, Körper, Technik in der Kunst des 20. Jahrhunderts, Bühne des Lebens – Rhetorik des Gefühls, Gärten – Inspiration, Ordnung, Glück, … um nur einige zu nennen.

Zwei Großprojekte müssen zwischen diesen Ausstellungen gesondert hervorgehoben werden: Franz Marc (2005/06) und Wassily Kandinsky (2008/09). Beide erforderten ein besonders hohes Maß an Organisation, Vorbereitung und Pressearbeit, waren aber beide mit jeweils ca. 400.000 Besuchern ein besonders großer Publikumserfolg. Aufgrund des Besucherandrangs wurden für beide Veranstaltungen zwei Pavillons auf dem Platz zwischen dem Lenbachhaus und dem Kunstbau aufgestellt, um dort den Museumsshop und den Ticket-Verkauf unterzubringen.

Ende 2001 konnte das Lenbachhaus einen weiteren Schauplatz für Präsentationen zeitgenössischer Kunst hinzugewinnen, den sogenannten Museumsplatz. Zwischen der historischen Lenbach-Villa mit ihrem Erweiterungsbau an der Südseite an der Brienner Strasse gelegen und dem Kunstbau auf der anderen Straßenseite entstanden durch die Umgestaltung der Straßenführung auf dem westlichen Vorplatz der Propyläen zwei große Platzflächen, die für die Präsentation von Kunst im Außenraum genutzt werden konnten. Sie boten eine geeignete Plattform für wechselnde künstlerische Projekte von unterschiedlicher Dauer, die auf die städtebaulichen, architektonischen und sozialen Merkmale des stark frequentierten Platzes reagieren und den vom Autoverkehr dominierten Ort beleben sollten. Dabei wurden ausschließlich temporäre Installationen gezeigt, die keine Assoziationen an denkmalähnliche Skulpturen und dauerhafte Aufstellung aufkommen ließen. Die vornehmlich von jungen Künstlern entworfenen Skulpturen waren vielmehr Gegenpositionen zu den mächtigen Baudenkmälern Leo von Klenzes auf dem benachbarten Königsplatz. Das Programm für den Museumsplatz eröffnete das Lenbachhaus im Sommer 2002 mit dem interaktiven, sensorisch auf Passanten reagierenden Wasserpavillon Raum in Bewegung/Bewegung im Raum des dänischen Künstlers Jeppe Hein. Es folgten Installationen von Michael Sailstorfer, Winter/Hörbelt, Isa Genzken oder Benjamin Bergmann. Jede der Arbeiten nahm auf sehr unterschiedliche Weise Bezug auf die örtlichen Gegebenheiten, veränderte deren Wahrnehmung oder reagierte auf die konkrete Verkehrssituation.

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