In den 80er Jahren folgte diesem Ausstellungskonzept auch die Ankaufspolitik und ermöglichte Erwerbungen von Künstlern wie Günter Fruhtrunk, Gerhard Richter, ARAKAWA, Nikolaus Lang, Ernst Geitlinger, Ugo Dossi, Rainer Wittenborn, Andy Warhol, Michael Heizer, Rupprecht Geiger, Ernst Hermanns, Rolf Cavael, aber auch Eduardo Arroyo, Bruno Gironcoli, Fabrizio Plessi u.a.. Sie alle waren zuvor in Ausstellungen im Lenbachhaus vorgestellt worden. Dabei ging es von Anfang an nicht darum, enzyklopädisch zu sammeln. Armin Zweite vertrat vielmehr die Auffassung, dass sich der Sinngehalt eines Kunstwerks vor allem aus dem Werkzusammenhang erschließt, weshalb nach Möglichkeit eine Vielzahl bzw. ganze Werkgruppen eines Künstlers erworben wurden und bis heute die jeweilige künstlerische Entwicklung weiterverfolgt wird. Das heißt, obgleich neue Künstlernamen den Sammlungsbestand der Lenbachgalerie erweitern, erscheinen bis heute auch immer wieder alt bekannte Namen bei den Neuerwerbungen. Dieses Museumskonzept übernahm ab 1990 auch Helmut Friedel und baute die Verknüpfung von Sammlung und Ausstellungen weiter aus. Unter seinem Einfluss wurde außerdem schon früh ein neuer Schwerpunkt auf die italienische Gegenwartskunst gesetzt. Neben Einzelausstellungen zu Giuseppe Spagnulo, Fabrizio Plessi, Paolo Parisi u.a. konzipierte Helmut Friedel 1984 die umfassende Präsentation Der Traum des Orpheus. Mythologie in der italienischen Gegenwartskunst 1967-1984. Im zehn Jahre später hinzu gewonnenen Kunstbau folgten dann weitere große Ausstellungen zu Michelangelo Pistoletto, Alberto Burri, Marco Gastini und Enzo Cucchi.

Während seiner Kuratorentätigkeit förderte Helmut Friedel zudem schon sehr früh die als Ausdrucksmittel in der bildenden Kunst neu entdeckten Medien wie die Videokunst, die Performance und die Land Art. Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre wurden auf seine Initiative hin zahlreiche Videoarbeiten internationaler junger Künstler im Lenbachhaus gezeigt, wie z.B. Nam June Paik, Bill Viola, Jenny Holzer, David van Tiegham, John Sandborn, Dara Birnbaum, Jane Brettschneider, oder auch Rebecca Horn, Wolf Vostell, Friederike Pezold, Valie Export und viele andere. Einige davon standen in unmittelbarer Verbindung mit Performances, die im Lenbachhaus selbst veranstaltet worden waren. Dazu zählen auch einige Arbeiten der beiden österreichischen Künstler Hermann Nitsch und Arnulf Rainer. Im Februar 1979 fanden schließlich eine ganze Reihe von Performance-Veranstaltungen im Lenbachhaus statt, an denen Arnulf Rainer und Dieter Roth, Jürgen Klauke, Peter Weibel, Jana Heimsohn, Jochen Gerz, Valie Export, Herbert Achternbusch u.a. beteiligt waren. Sie fanden damals großen Zulauf und wurden in der Presse als das europäische Performance-Ereignis schlechthin bezeichnet. Es folgten im Laufe der 80er Jahre zahlreiche Ankäufe von Videoarbeiten von Ulrike Rosenbach, Dan Graham, Klaus vom Bruch, Marcel Odenbach, Ulay & Abramovic, Bruce Naumann, Bill Viola, Nam June Paik, um nur einige zu nennen. Darüber hinaus zeigte das Lenbachhaus von 1985 bis 1997 anlässlich der Verleihung des Marler Video-Kunst-Preises alljährlich eine Ausstellung zur deutschen Videokunst.

1979/1980 konnten zudem Arbeiten des amerikanischen Künstlers Michael Heizer erworben werden, die eines der ersten und umfangreichsten Land Art-Projekte in Europa dokumentieren, das 1969 von Heizer in München Neuperlach umgesetzt worden war. Auch hier verbanden sich auf ganz eigene Weise internationale und zugleich auf München bezogene Kunst.

Im Sommer 1990 trat Helmut Friedel die Nachfolge von Armin Zweite als Direktor der Städtischen Galerie an. Eine erste entscheidende Veränderung im Sammlungsbereich unter seiner Leitung erfolgte 1992 und betraf die Neugestaltung der Ausstellungsräume für den Blauen Reiter mit farbigen Wänden. Diese von Helmut Friedel initiierte Maßnahme rief damals heftige Kontroversen hervor, die zum Teil bis heute anhalten. Ausgangspunkt für die neue Farbgestaltung waren für ihn vorausgegangene Beobachtungen an den in diesen Räumen ausgestellten Kunstwerken. »Vor dem bis dahin hellen weißen Hintergrund hat die Malerei«, so Helmut Friedel in seinem Vorwort für den Jahresbericht des Lenbachhauses 1990-1993, »meines Erachtens enorm an farblich sinnlicher Präsenz verloren. Die Gemälde erschienen geradezu körperlos. Bei der Farbfindung gab es keine historische Referenz, auf die wir uns unmittelbar beziehen konnten, respektive wollten. Wir hatten die Fotografien Gabriele Münters von der ersten Ausstellung des Blauen Reiters in der Galerie Thannhauser 1911 vor Augen. In diesen schwarz/weiß Aufnahmen erkennen wir deutlich, dass wohl Papierbahnen dunkler Färbung bewusst als Hintergrundfolie für diese Arbeiten eingesetzt wurden. Von diesem Punkt aus konnten wir annehmen, dass eine Weißtünchung mit Sicherheit nicht den Intentionen der Künstler dieser Zeit entsprach. Da sich unsere Sammlung im Wesentlichen aber auf die Zeit bis zum Ersten Weltkrieg konzentriert, konnten wir die Vorlage der Thannhauser-Ausstellung und somit eine durchgehende, einheitliche Gestaltung als sinnvoll zugrunde legen. Insofern keine historische Rekonstruktion betrieben werden konnte und wollte, waren natürlich auch die Ergebnisse farbiger Wandgestaltung in der aktuellen Kunst richtungsweisend.« Die Sammlung des Blauen Reiter wird seitdem auf, allerdings immer wieder wechselnden farbigen Wänden präsentiert, was bis heute sehr unterschiedliche Reaktionen bei den Besuchern auslöst, aber allenthalben imitiert und auch ohne den historischen Kontext kopiert wird. Eine historische wissenschaftliche Untersuchung des Themas unternahm Marion Ackermann, Kuratorin am Lenbachhaus von 1997 bis Ende 2003, in dem 2003 erschienen Buch Farbige Wände. Zur Gestaltung des Ausstellungsraumes von 1880 bis 1930.

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