von Irene Netta.

Nach der glanzvollen Eröffnung des sanierten Lenbachhauses im Mai 2013 wird Helmut Friedel zum Ende des Jahres nach langjähriger Direktorentätigkeit das Amt an seinen Nachfolger Matthias Mühling abgeben.

Helmut Friedel blickt auf insgesamt 36 Jahre Tätigkeit für das Lenbachhaus zurück, denn bereits 1977 begann er als Kurator unter Armin Zweite hier zu arbeiten, bevor er 1990 als dessen Nachfolger die Leitung des Museums übernahm. In diesem langen Zeitraum ist viel geschehen, das große Engagement Helmut Friedels hat dem Lenbachhaus durch den Ausbau seiner Sammlung, die zahlreichen Ausstellungen, Publikationen und wissenschaftlichen Tätigkeiten über die Grenzen Deutschlands hinaus zu großem Ansehen und internationaler Aufmerksamkeit verholfen. Das ließ sich auch an den stetig steigenden Besucherzahlen ablesen, die das Haus spätestens mit den beiden großen Ausstellungen zu Franz Marc (2005/06) und Wassily Kandinsky (2008/09) an seine absoluten Kapazitätsgrenzen brachte und schließlich den Beschluss der Stadt München herbeiführte, das Museum einer Generalsanierung zu unterziehen und damit den heutigen Anforderungen an eine solche Institution anzupassen. Das Lenbachhaus hat sich unter der langjährigen Aufsicht Helmut Friedels also auch baulich vielfach verändert, hat den Kunstbau hinzugewonnen und schließlich mit der Generalsanierung durch Foster + Partner noch einmal ein ganz neues architektonisches Erscheinungsbild innen und außen erhalten.

Die Kulturpolitik Münchens und die damit eng verbundenen Aufgaben und Sammlungstätigkeiten des Lenbachhauses standen 1977 noch unter ganz anderen Vorzeichen als heute. Nach den umfangreichen Schenkungen Gabriele Münters 1957 und Bernhard Köhlers 1965 von zahlreichen Werke der Künstler des Blauen Reiter und der Eröffnung des eigens dafür geschaffenen Anbaus 1972, bemühte sich Armin Zweite seit seinem Amtsantritt als Direktor des Lenbachhauses 1974 in den folgenden Jahren um die Öffnung des Museums für junge internationale Kunst. Die bis dahin fast ausschließlich auf das lokale Kunstgeschehen konzentrierte Städtische Galerie dafür zu öffnen, war keine leichte Aufgabe. Die große Sammlung des Blauen Reiter aber hatte neue Maßstäbe gesetzt, der ausschließlich lokale Bezug der Städtischen Galerie war nicht länger aufrechtzuerhalten. Der Blick sollte sich nun über die Grenzen Münchens und Süddeutschlands hinaus in die ganze Welt richten, ohne dabei den Rückbezug auf die eigene Geschichte und die Position als Städtische Galerie Münchens aus den Augen zu verlieren. Es sollten nicht mehr ausschließlich Münchener Künstler gefördert werden, sondern in München ansässige Künstler. Somit verlagerte sich der Schwerpunkt von einer Münchener Schule zu einer Kunst, die in München stattfand. Um diesem Anspruch genügen zu können, wurde in den 70er Jahren das Ausstellungswesen deutlich ausgebaut. Die Räume im Erdgeschoss des Nordflügels blieben Sonderausstellungen vorbehalten, in denen ein verdichtetes Ausstellungsprogramm realisiert werden konnte. Es entstand ein Forum für aktuelle Positionen der Kunst in München, das zugleich einen Dialog zur ständigen Sammlung des Hauses aufnehmen sollte. Das auf diese Weise in den 70er Jahren sich entwickelnde umfangreiche und vielfältige Ausstellungsprogramm schloss zunehmend die klassische Moderne und die internationale Gegenwartskunst mit ein, was damals eine nicht zu unterschätzende Pionierleistung im Museumswesen darstellte. Helmut Friedel, den Armin Zweite 1977 ans Haus holte, nahm diese Herausforderung an. Seine erste eigene Ausstellung im Lenbachhaus Anfang 1978 galt den Gemälden und Zeichnungen von Rupprecht Geiger.

Als zusätzlichen Ausstellungsraum übernahm das Lenbachhaus 1971 das sogenannte Kunstforum in der Unterführung Maximilianstrasse und Altstadtring. Dieser große, schlichte, architektonisch vom Charakter einer Fußgänger-Unterführung bestimmte Raum ermöglichte noch mal eine ganz andere Form der Präsentation junger zeitgenössischer Künstler und stellte damit eine wichtige Ergänzung zu den historisch geprägten Räumlichkeiten des Lenbachhauses dar. Über 100 Ausstellungen wurden dort unter der Regie des Lenbachhauses bis 1995 gezeigt. Davon hatte Helmut Friedel zwischen 1978 und 1990 insgesamt 92 Präsentationen allein kuratiert und realisiert. Das Kunstforum hatte durch die Arbeiten von Blinky Palermo (1972) und von Joseph Beuys („zeige deine Wunde“ 1976) – organisiert von der Galerie Schellmann und Klüser – eine besondere Qualität angenommen. Der unwirtliche Ort sollte mit den vielen Installationen, die unter Helmut Friedels Regie folgten, ein bestimmtes Format erhalten, zu dem sich die unterschiedlichen Positionen bewegen und ausrichten konnten. Das Kunstforum bot auf diese Weise hervorragende Möglichkeiten, in kleinen, wohl überlegten Schritten die zeitgenössische internationale Kunst ins städtische Bewusstsein zu rücken und neben Blinky Palermo und Joseph Beuys zahlreiche zeitgenössische Künstler wie Franz Bernhard, Kurt Benning, Alfried Hagedorn, Bernd Zimmer, Franz Erhard Walther, Rudolf Herz, Beate Passow, Matthias Wähner, Siegfried Kaden, Roni Horn, Richard Artschwager, Dieter Villinger und viele andere mit internationalen Künstlern wie Keiji Uematsu, Chihiro Shimotani, Kazuo Katase, Robin Beers, Tim Wheeler, Urs Lüthi, Carl Andre oder Ian Mckeever zu konfrontieren bzw. einen Dialog in Gang zu setzen, sie ins Gespräch zu bringen.

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