von Trang Vu Thuy.

Wer redet, wie, über was und mit wem über das Museum?
Die Kommunikation im Museum.

Die klassischen Säulen der Museumsarbeit: Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln bilden zwar weiterhin die Kernaufgaben eines modernen Museums, allerdings haben sich diese in den letzten Jahren stark verändert. Nicht nur der Aspekt der Besucherorientierung, sondern auch die eigenverantwortliche Organisation der Finanzierung und Präsentation sind als integraler Teil der neuen Aufgaben im Museum nicht mehr wegzudenken. So kommt der Kommunikationsfunktion eine immer entscheidendere Rolle zu.

Was aber bedeutet Museumskommunikation? Zu Beginn meines kunsthistorischen Studiums habe ich mir nur kaum ein Bild davon machen können: Museum und Marketing, PR und Werbung? Das schien mir zunächst fremd, aber mit der Zeit lernte auch ich, dass diese Bereiche verstärkt an Gewicht gewonnen haben und Social-Media-Kanäle ein unglaubliches Potential und einen Mehrwert bedeuten können. Als neue Volontärin in der Kommunikationsabteilung bin ich natürlich sehr gespannt, welche Aufgaben mich das kommende Jahr im Lenbachhaus erwarten werden.

Was es heißt Mediapläne und Marketing-Maßnahmen zu entwickeln, dem Museum ein Profil zu geben oder Ausstellungsvorhaben zu konzipieren, zu positionieren und bekannt zu machen – Claudia Weber steht mir Rede und Antwort.

Frau Weber, wie kann man sich Ihre Arbeit als Fachbereichsleiterin in der Abteilung für Kommunikation vorstellen?
Die Kommunikation des Lenbachhauses unterteilt sich in drei verschiedene Bereiche. Zum Einen beinhaltet sie den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, d. h. alles, was direkt mit dem Besucher kommuniziert – sei es ob er sich schon bei uns im Haus befindet oder noch nicht. Daneben gibt es den Bereich der Pressearbeit, ganz klassisch der Kontakt zu den einzelnen Journalisten und den verschiedenen Medien. Und zum Anderen wäre da noch der Bereich Marketing, einfach gesagt alles an Werbung was Geld kostet.

In allen drei Sparten liegt der Fokus verstärkt auf Kooperationen und Partnerschaften. Wir versuchen im Bezug auf das Marketing im Tourismusbereich und hinsichtlich der Öffentlichkeitsarbeit verschiedene Partnerschaften zu schließen, aber auch im Bereich der Pressearbeit einzelne Medienpartner zu aquirieren, mit denen wir auch auf Dauer zusammenarbeiten.

Das Lenbachhaus ist erst kürzlich die Kooperation mit der Munich Re eingegangen. Wie wird solch eine Partnerschaft eigentlich in die Wege geleitet?
Meist erfolgen solche Dinge zunächst auf zwischenmenschlicher Ebene. Es funktioniert über viele Gespräche und die Ausarbeitung gemeinsamer Ideen, aber natürlich auch über die bestehenden Bedürfnisse. Die Kooperation mit Munich Re ging in diesem Fall nicht aus der Kommunikationsabteilung hervor, sondern wurde von unserem Kurator und zukünftigen Direktor Matthias Mühling initiiert. Die Zusammenarbeit auf dieser Basis wurde dann im Bereich Kommunikation von uns weiterentwickelt, beispielsweise haben wir versucht spezielle Inhalte der Social Media Aktivitäten der Munich Re mit unseren zu verknüpfen.

Eine Kooperation, die wiederum von der Kommunikationsabteilung „an Land gezogen“ wurde, wäre z. B. die Partnerschaft mit dem Bayerischen Hof und dem Charles Hotel, oder mit München Tourismus, dem Tourismusamt der Stadt München. Mit diesen Partnern arbeiten wir sehr eng zusammen. München Tourismus informiert viele Journalisten über uns, wir treten gemeinsam auf inter-/ nationalen Reisemessen auf – und sehr wichtig ist uns auch immer der Informationsaustausch.

Hierbei beschreiben Sie bereits eine neue Kommunikationsstrategie des Museums. Wie sieht diese im Zusammenhang von Web 2.0 aus?
Die Chance neuer Medien gegenüber den klassischen liegt darin, dass sie eine enorme Reichweite besitzen und sich ihr Einfluss stetig vergrößert – gerade, wenn wir uns einem jüngeren Publikum zuwenden. Die klassischen Medien werden zwar weiterhin eine Rolle spielen und parallel existieren, allerdings sprechen diese nur noch eine bestimmte Zielgruppe an.

Exemplarisch für die Wirkungskraft sozialer Medien wäre die gestrige Abendveranstaltung in unserer Reihe Playtime zu nennen. Wir waren in keiner klassischen Tageszeitung oder im Radio zuvor erwähnt und dennoch war die Veranstaltung sehr gut besucht, insbesondere auch von einem jungen Publikum. Social Media ist für die Kommunikationsarbeit im Museum ein unglaublich wichtiges Sprachrohr. Die „Mundpropaganda“, die da funktioniert und nichts anderes, das ist Social Media.

Sehen Sie auch Nachteile in der Nutzung von Social-Media-Kanälen?
Nachteile? Hm.. (überlegt). Es ist arbeitsintensiv und nicht automatisierbar. Wenn Social Media Plattformen professionell und umfassend mit Inhalten gespeist werden sollen, bedarf es eigentlich einer vollen Arbeitsstelle. Der Input für die sozialen Medien sollte im Idealfall nicht nur von einer einzigen Person kommen, sondern alle Mitarbeiter des Hauses involvieren. Es ist umso schöner, diese enge Kopplung der Zusammenarbeit des Teams dann auch nach außen gespiegelt zu sehen. Vor allem ist Social Media ein Dialogmedium es bietet die Möglichkeit mit unseren Besuchern zu reden – wir hoffen, damit die Hemmschwellen abzubauen und das Museum greifbar zu machen.

An welchen Projekten arbeiten Sie aktuell?
Die Ausstellung Gerhard Richter: ATLAS MIKROMEGA steht direkt vor der Tür. Ab den 23. Oktober wird der ATLAS, das umfassende Skizzen-Werk Richters im Kunstbau des Lenbachhauses zu sehen sein. Wir freuen uns sehr, im Besitz dieses bedeutenden Werkkomplexes zu sein. Zudem ist die Ausstellung von besonderer Bedeutung für unser Haus, weil sie die letzte Ausstellung unseres derzeitigen Direktors Helmut Friedel sein wird, der Ende des Jahres das Lenbachhaus nach über dreißig Jahren verlässt. Zugleich markiert sie aber auch den Abschluss von Gerhard Richters ATLAS, sowie die persönliche und langjährige Verbindung des Künstlers zu unserem Haus.

Was bedeutet das konkret für die Kommunikation? Wie sieht da Ihre Planung aus?
Für uns bedeutet das z. B. die Mediaplanung zu erstellen. Diese umfasst die Budgetierung der kompletten Werbemaßnahmen für die Ausstellung, die Schaltung der Anzeigen und Plakatierungen, die Kalkulation der Produktionskosten und deren Umsetzung. Bei einer großen Ausstellung, wie der kommenden zu Gerhard Richter, beginnt die Arbeit etwa drei Monate vorher. Der grobe Ablauf wird natürlich zunächst mit der Geschäftsführung besprochen, die auch das Budget dafür freigibt. Dann beginnt die Buchung der Medien und die Entwicklung der Drucksachen. Letzteres wird dann in Absprache mit den Kuratoren konzipiert, manchmal auch mit den Künstlern – wobei hier natürlich zu sagen ist, je mehr Personen involviert sind, desto schwieriger wird es bei der Entscheidungsfindung.

Wie lange hat der Planungsprozess für die Wiedereröffnung des Lenbachhauses gedauert?
Mit der Planung haben wir ein gutes Jahr vorher begonnen. Die genaue Überlegung und Konzipierung einer Strategie, bis hin zur Entwicklung und Umsetzung von Ideen und schließlich die Produktion der ersten Druckerzeugnisse bedurfte einem langen Vorlauf. Der erste konkrete Schritt war dann die Ansprache der internationalen Presse im November 2012.

Wie kamen Sie zur Kommunikationsabteilung des Lenbachhauses?
Ich habe ganz klassisch Kunstgeschichte, Germanistik und Politikwissenschaften auf Magister studiert. Nach meinem Studium kam dann auch die Überlegung: Was mache ich jetzt eigentlich? (lacht) Als ich dann einen Artikel über eine PR-Agentur in die Hände bekam, die speziell im Kulturbereich tätig ist, hat mich das sofort angesprochen. Genau, das ist es, was ich will – die Kommunikation und das Vermitteln von künstlerisch kulturellen Inhalten weitertragen. Über ein Praktikum kam ich an ein Volontariat und arbeitete insgesamt drei Jahre in der Agentur. Zusätzlich habe ich parallel ein Fernstudium zur PR-Beraterin gemacht. Nachdem ich lange selbstständig für verschiedene Kulturinstitutionen gearbeitet habe, bin ich über ein Kunst am Bau Projekt des Kultur- und Baureferats in München zum Lenbachhaus gekommen. Im Lenbachhaus arbeite ich nun seit 2004.

Welches Bild aus der Sammlung würden Sie sich zu Hause über die Couch hängen, wenn Sie sich eines auswählen dürften?
Bei mir in der Küche hängt eine Lithographie von Rupprecht Geiger. Diesen Künstler mag ich unglaublich gerne.

Welche Kultureinrichtung in München besuchen Sie am liebsten?
Den Innenhof der Glyptothek und deren Café. (lacht) Das ist einfach der schönste Ort. Er strahlt so viel Ruhe und Gelassenheit aus.

Trang Vu Thuy ist Volontärin in der Kommunikationsabteilung der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München.

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