von Paula von der Heydt.

Wer hängt eigentlich die Bilder auf? Was hat es mit dem neuen LED-Beleuchtungssystem auf sich? Und wer hat den Aus- und den Wiedereinzug im Lenbachhaus koordiniert?
Für alle diese Fragen gibt es in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus einen Ansprechpartner: Andreas Hofstett, Betriebsdienstleiter. Ohne ihn läuft so gut wie gar nichts, das sollte ich relativ bald feststellen, als ich vor gut einem Jahr mein Volontariat in der Kommunikationsabteilung begann. Direkte Überschneidung unserer Arbeitsbereiche gab es vor allem in den Zeit unmittelbar vor der Eröffnung des Lenbachhauses im April und Mai diesen Jahres, als es darum ging, etlichen Filmteams die Arbeit im noch geschlossenen Museum zu ermöglichen. War dies mal nicht mit Herrn Hofstett abgesprochen, konnte es durchaus passieren, dass man vor verschlossenen Türen zu den Sammlungsräumen stand oder der Aufzug nicht freigeschaltet war. Eine gewisse Hartnäckigkeit kann durchaus von Vorteil sein, wenn man etwas von Herrn Hofstett will, und so habe ich mir das Gespräch mit ihm quasi als Abschiedsgeschenk gewünscht – denn mein Volontariat endet bald. Und da konnte er dann gar nicht „Nein“ sagen. In diesem Sinne: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Hofstett!

Herr Hofstett, Ihre Berufsbezeichnung lautet „Betriebsdienstleiter“, was bzw. welche Aufgaben kann man sich darunter vorstellen?
Hausmeister! (lacht) Nein im Ernst, um einige meiner Aufgaben zu nennen ist das zum Beispiel der Unterhalt und die Instandhaltung des Gebäudes. Auch die Themen Sicherheit, Alarmanlagen, Wachdienst, Reinigungskräfte und so weiter spielen eine große Rolle. Der Betriebsdienst, das sind zunächst die städtischen Kollegen für den Ausstellungsaufbau und Umbau, für die Depotverwaltung, die Logistik – und alles, was ein Hausmeister halt so macht (lacht).

Wie wird man denn so etwas – also können Sie kurz etwas zu Ihrer Laufbahn sagen?
Tatsächlich bin ich von meiner Laufbahn her ja Verwaltungsbeamter. Viele Dinge, die ich hier mache, sind technisch geprägt, das könnte auch ein technischer Angestellter oder Beamter machen, wobei auch viele Verwaltungshandlungen dazu zählen. Es hat immer Vor- und Nachteile, letztlich muss man sich das andere eben immer dazu aneignen.

Inwiefern änderte sich Ihr Aufgabenspektrum in der Zeit vor und während der Generalsanierung des Lenbachhauses, also in der Zeit der Schließung?
Zunächst änderte sich das natürlich durch die Abwesenheit der Besucher: Unsere Tätigkeit hier lebt ja davon, den Besuchern das möglichst optimale Erlebnis in unserem Museum anbieten zu können. Insofern ist der Sinn eines Museums in Frage gestellt, wenn keine Besucher da sind. Die Schließung hat eine Veränderung der Aufgaben mit sich gebracht und wir haben sehr intensiv am Umbau teilgenommen. So hatten wir die Möglichkeit, unsere Bedürfnisse für den Umbau zu formulieren und teilweise wurden diese dann auch umgesetzt. Letztlich haben sich die Abläufe während dieser Zeit nicht grundlegend verändert, der Museumsbetrieb im Kunstbau lief ja weiter, so wie auch die Ausleihen an andere Museen. Dass das Museum wirklich einmal ganz geschlossen war, war im Grunde ja gar nicht der Fall.

Wie lange im Voraus haben Sie den Wiedereinzug in das neuen Lenbachhaus geplant und welche Punkte waren dabei wichtig zu beachten?
Die Planung beginnt schon vor dem Auszug. Man macht sich unglaublich viele Gedanken und vieles stellt sich dann als falsch heraus. Letztlich müssen Entscheidungen fallen, zum Beispiel: welche Objekte sollen in welche Räume? Das ist ein langer Prozess. Man legt eine Reihenfolge fest und arbeitet die Dinge nacheinander ab. Das war im Grunde wenig spektakulär. Letztlich ist es eine logistische Planungsleistung. Es braucht die Vision, wie kann alles geplant, umgesetzt und schließlich durchgeführt werden. Das geht nie von einer Person alleine aus, das kann nur funktionieren, wenn alle kooperativ zusammenarbeiten.

Wie viel „Manpower“ – also auch der Einsatz von externen Dienstleistern – war dafür notwendig?
Das hängt davon ab, wie viel Geld und wie viel Zeit zur Verfügung stehen. Wir haben uns hier am Haus sehr viele Gedanken darüber gemacht und uns dafür entschieden, in dem einen Monat, in dem hier bezüglich des Umzuges am meisten passiert ist, mit zwei Leuten eng zusammen zu arbeiten. Das klingt zunächst nach relativ wenig, aber wir haben das ganz bewusst so gemacht, damit wir vor allem mit eigenen Leuten arbeiten konnten und nicht mit Fremdkräften, weil wir der Meinung waren, dass dann die Sorgfalt größer und die Reibungsverluste geringer sind. Je mehr Leute man hat, desto mehr Koordination fällt an. Schon allein deshalb, weil wir eine sehr taffe Abfolge hatten. Deswegen haben wir uns gemeinsam entschieden, dass wir nur im kleinen Team arbeiten, auch wenn dafür die Belastung höher ist, beispielsweise durch das Arbeiten an Samstagen. Die beiden externen Mitarbeiter waren so eingearbeitet, dass letztendlich alles reibungslos lief. Die Hängedienste wurden von Mitarbeitern des Lenbachhauses gemacht und die externen Kollegen haben uns in der Logistik unterstützt. Eine Bild aufzuhängen beinhaltet wesentlich mehr als das reine Aufhängen. Das Bild hat eine Verpackung, es ist zudem in die Transportverpackung gehüllt, es muss durch das Haus gefahren werden, ausgepackt und entnommen werden. Die Transport – oder Hängesysteme, die am Bild sind, müssen abgebaut werden. Das Aufhängen haben wir übernommen, die Restauratoren kümmerten sich um die Pflege des Bildes und die Externen waren zuständig für das Handling und den Transport.

Nun zu dem neuen LED-Beleuchtungssystem im Lenbachhaus: Welche Vorteile zum vorherigen Beleuchtungssystem ergeben sich dadurch?
Der größte technische Vorteil ist, dass man die Lichtqualität in zwei Richtungen verändern kann: einerseits die Helligkeit – wie man es vom klassischen Dimmer kennt – und andererseits die Lichtfarbe. Das bedeutet, dass man bei gleichbleibender Lichtfarbe dimmen kann, was eine ganz neue Qualität des Lichtes bietet. Normalerweise, wenn man Leuchtstofflampen oder eine Glühbirne dimmt, verändert sich auch die Lichtfarbe. Nicht so beim neuen LED-Beleuchtungssystem. Man kann zuerst die Lichtfarbe auswählen und dann dimmen. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir keinen Wechsel der Lampen mehr durchführen müssen. Früher musste man das Leuchtmittel oder die Lampen austauschen, das fällt nun ganz weg. Hinzu kommt die hohe Energieeffizienz und die regelmäßige und gleichmäßige Ausleuchtung der Räume. Dies ermöglicht optimale Lichtverhältnisse im Tageslichtbereich, sodass der Besucher nur schwer zwischen Kunst- und Tageslicht unterscheiden kann. Ein wichtiger Vorteil ist zudem, dass LED kein UV-Anteil besitzt. Ein Faktor, der großes Schädigungspotential für die Bilder hat, ist also nicht vorhanden.

Man kann damit ja aus 91 Lichteinstellungen wählen – wie lange hat es gedauert, die jetzigen Einstellungen in den Sammlungsräumen zusammen mit den Kuratoren und Kuratorinnen und den Künstlerinnen und Künstlern zu finden und zu speichern?
Wir hatten 31 vorher gespeicherte Lichtstellungen, einstellen kann man aber noch viel mehr. Licht ist ein hochinteressantes Feld, denn jeden Punkt auf der Lichtskala kann man über verschiedene Mischungen mehrmals erzeugen. In unserem System sind in jeder Platine zwölf LEDs eingebaut und fünf verschiedene Lichtfarben. Das Mischungsverhältnis dieser Lichtfarben ist relevant, wie beispielsweise bei der Arbeit von Olafur Eliasson „Sonne statt Regen“ (2003) im Kunstbau sind es drei verschiedene Leuchtstoffröhrenfarben, die in der Mischung zunächst weiß ergeben und dann noch viele weitere Farben. Um sicher aussagen zu können, wo man sich in der Mischungsskala befindet, beziehungsweise wie viele Grün- oder Blauanteile in einer Farbe stecken, sind die 91 fest eingestellten Stellungen im Testlabor gemessen worden. Das interessiert uns im Museum aber kaum, denn uns ist wichtig, dass es gut aussieht und funktional ist. Fakt ist, dass weite Teile der Ausstellungen über diese Spektren eingestellt werden konnten, bei einigen Räumen mussten wir selbst Einstellungen wählen, indem wir die theoretischen Tageslichtkurven verlassen und uns innerhalb der Lichtwelt dorthin begeben, wo der Kurator oder der Direktor hin möchte. Über das Mischtableau kann man das Licht in kleinsten Nuancen individuell variieren. Das ist wirklich unglaublich!

Wie lange hat es dann gedauert, die einzelnen Räume einzustellen?
Das ist wahnsinnig schnell gegangen. Das liegt daran, dass Herr Friedel und ich schon sehr lange zusammenarbeiten und gut aufeinander abgestimmt sind. Zudem kann man durch die hervorragende Technik von sehr kaltem zu sehr warmem Licht innerhalb von drei Sekunden wechseln. Das macht das Ganze im Gegensatz zu früher zu einer recht ruhigen Angelegenheit, an der nur wenige Leute beteiligt sind. Leitern, viele Mitarbeiter, das Scheppern von Lampen, das gehört der Vergangenheit an. Das hat sich durch die computerbasierte Technik sehr verändert.

Was kann man sich denn mit diesen neuen Möglichkeiten noch alles vorstellen?
(z.B. den Rupprecht Geiger-Raum tatsächlich mal in komplett rotes Licht tauchen…)
In einer Führung oder einem Vortrag könnte man sich so etwas vorstellen. Für den Ausstellungsbetrieb ist so etwas jedoch vollkommen untauglich, denn wenn man einen Raum komplett in rotes Licht taucht, verändern sich die Bilder zwar stark, aber sie verändern sich vor allem so, dass sie als Kunstwerke nicht mehr zugänglich sind. Was wir mit dem Licht machen, ist genau das Richtige, denn wir stellen das Licht in den Dienst der Kunst. Je besser das Licht, desto besser wirkt die Kunst. Dadurch muss das Licht vor allem unauffällig sein. Extremsituationen, wie ein roter Raum, hat kaum Nutzen für die normale Schausammlung.

Wollten Sie schon immer in einem Museum arbeiten?
Dazu gibt es eine lustige Geschichte: als ich 1989 den Vertrag bei der Stadt München unterschrieben hatte, fragte mich meine Mutter, wo ich denn später einmal arbeiten möchte und ich sagte ihr: „Im Lenbachhaus“. Einfach, weil ich mit ihr als Jugendlicher öfters hier war und sehr positive Erinnerungen an dieses Haus hatte. Als Absolventen bei der Stadt München wurden wir dann wieder gefragt und ich gab das Lenbachhaus an und tatsächlich führte mich mein Weg dann kurz vor der Fertigstellung des Kunstbaus hier ans Haus.

Welches Bild aus der Sammlung würden Sie sich zu Hause über die Couch hängen, wenn Sie sich eines auswählen dürften?
Keines. Aber die Arbeit von Ulrich Rückriem würde ich mir wohl in den Garten stellen. Also diese Arbeit würde ich als mein Lieblings-Kunstwerk hier in der Sammlung bezeichnen, ebenso wie die Arbeiten von Dan Flavin, generell mag ich eher minimalistische Arbeiten. Und vom Arbeiten her natürlich eher kleine Bilder als die großen.

Welche Kultureinrichtung in München und Umgebung besuchen Sie gerne?
Wir haben eine Jahreskarte für das Freilichtmuseum Glentleiten, das größte Freilichtmuseum Südbayerns. Hier in München ist mein Lieblingsmuseum, neben dem Lenbachhaus, eigentlich die Glyptothek.

 

Paula von der Heydt ist Volontärin in der Kommunikationsabteilung der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau.

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