von Sabine Scherz, Gastbloggerin.

Die Auswirkung von Logistik auf das Kunsterlebnis – Einblick in das Besucherbüro des Lenbachhauses
Was wäre ein Museum ohne Besucher? Gar nichts, will ich meinen. Denn es benötigt unbedingt Menschen, die das mit viel Engagement gepflegte Kulturgut sehen möchten. Und wie Sie sich selbst als Gastgeber sicherlich sorgfältig auf Besuch vorbereiten, so muss ein Museum das auch tun. Hier sind allerdings die Maßstäbe anders, denn in ein Museum wie das Lenbachhaus kommen Besucher nicht alle einzeln, sie fallen durchaus in ganzen Scharen und Gruppen ein. Dies bedarf der Koordination, denn jeder möchte ja etwas von seinem Besuch haben, die Exponate sehen können und anderen dabei nicht auf die Zehen treten (oder getreten werden). Von Beate Lanzinger, Mitarbeiterin im Besucherbüro, habe ich einen Einblick bekommen, wie dort gearbeitet wird und wie die Besucherströme durch das Lenbachhaus geleitet werden.

Frau Lanzinger, was ist die Aufgabe des Besucherbüros?
Ich bin Ansprechpartnerin für alle Fragen und Anliegen der Besucher; so zum Beispiel alle Fragen die Eintrittspreise, Jahreskarten, Öffnungszeiten, Anfahrt, Parkmöglichkeiten und Sonderausstellungen betreffend. Auch für die Koordinierung der Besuchergruppen bin ich zuständig und nehme die Führungsanmeldungen entgegen. Sie müssen zeitlich so geplant werden, dass die einzelnen Gruppen sich nicht in die Quere kommen. Das bedeutet, dass wir die Gruppen nur zeitversetzt ins Museum lassen. Entsprechend muss der Einsatz der Guides geplant werden. Hier steht uns ein Team von ca. 20 Leuten zur Verfügung. Anmeldungen von Selbstführungen müssen ebenfalls koordiniert werden. Für Schulklassen öffnen wir außerdem vor der eigentlichen Öffnungszeit von 8.30 bis 10.00 Uhr. Für all das gibt es ein spezielles Buchungssystem, denn sonst würde man den Überblick über die vielen Führungen verlieren.

Wie viele Führungen gibt es denn so im Schnitt pro Tag?
Pro Tag haben wir ca. 15 bis 30 Führungen. Wenn es mal etwas voller wird, ist es unerlässlich, dass sich unsere Guides gut auskennen und aufgrund ihrer Erfahrung in den Ausstellungen die Gruppen so leiten, dass es keine Kollisionen gibt. Für die Guides bin ich ebenfalls die Kontaktperson und leite Informationen an sie weiter, wenn es zum Beispiel neue Sonderausstellungen, einen Museumstag oder einen Ausstellungswechsel geben wird. Auch nehme ich das Feedback der Guides entgegen. Eine gute Zusammenarbeit mit ihnen wirkt sich ja letztlich auf das Erlebnis des Besuchers aus.

Sie sind auch für die Sonderöffnungen des Lenbachhauses zuständig.
Was genau bedeutet das?

Man kann unseren Vortragssaal, den Georg- Knorr-Saal, und das Atrium für eine Konferenz, einen Stehempfang, Vortrag oder andere firmeninterne Veranstaltungen buchen. Auch private Führungen nach der Schließung des Museums sind möglich. Größere Firmen buchen das für exklusive Veranstaltungen und Events.

Können Sie einige besondere / außergewöhnliche Anfragen nennen?
Ja, wir wurden schon mal gefragt, ob Sir Norman Foster, der Architekt, der den Umbau geleitet hat, eine Führung durchs Haus machen könnte. Aber in dieser Kategorie führen die Leute natürlich keine Gruppe durchs Haus. Das wäre kaum bezahlbar, denke ich.(lacht) Oder jemand wollte im wieder eröffneten Haus einen Wasserschaden simulieren. Es sollte zwar danach wieder alles in den Ausgangszustand zurückversetzt werden, aber das geht natürlich nicht.

Wie sah Ihre Arbeit in der Zeit der Eröffnung aus?
Während der Eröffnung hat jeder alles gemacht. Wir haben zusammen gearbeitet und z.B. jede Menge Adressen für die Einladungen zur Wiedereröffnung überprüft. Bei den Einladungskarten wurden die Namen mit der Hand geschrieben. Daran haben sich alle beteiligt. Es gab im Vorfeld etliche Veranstaltungen für Kooperationspartner, Künstler, Politik, Galeristen, die mit dem Lenbachhaus verbunden sind. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren als Ansprechpartner für die Besucher während den Eröffnungsfeiern anwesend. Insgesamt war während der Eröffnungszeit viel los und das ist es immer noch. Im August wird es aufgrund der Urlaubszeit etwas ruhiger. Aber danach gibt es wieder viele Gruppenanmeldungen und wir sind fast bis Ende des Jahres ausgebucht. Jeder möchte das neue Haus sehen. Darüber freuen wir uns natürlich sehr.

Wie führte Sie Ihr Weg ans Lenbachhaus München?
Es war Zufall. Eigentlich habe ich Kommunikationsdesign und Kunsterziehung studiert und habe danach in der Flüchtlingsbetreuung bei der Stadt München gearbeitet. Ich hörte von der Stelle im Lenbachhaus und habe mich darauf beworben.

Welches Bild aus der Sammlung würden Sie sich zu Hause über die Couch hängen, wenn Sie sich eines auswählen dürften?
Das Rotbild von Rupprecht Geiger!

Welche Kultureinrichtung in München und Umgebung besuchen Sie gerne?
Ich gehe gerne in sämtliche Museen, natürlich auch die Pinakotheken, das Haus der Kunst, besuche aber auch gerne das Gärtnerplatztheater oder das Prinzregententheater. Letztere aber leider zu selten.

Sabine Scherz ist Gastbloggerin für den Lenbachhaus Blog.

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