von Karolin Nirschl, Gastbloggerin.

Wie kommt eine Stiftung ans Museum?
Ein Gespräch über die Christoph Heilmann Stiftung mit Karin Althaus, Sammlungsleiterin für das 19. Jahrhundert am Lenbachhaus München

Gäbe es keine Stiftungen, stünden wir in unseren Museen wohl vor so mancher leeren Wand. Das gilt auch für das Lenbachhaus, an dem die Kooperation mit Stiftungen eine lange Geschichte hat.
Eine großzügige Schenkung Gabriele Münters legte 1957 den Grundstein für die berühmte Sammlung des Blauen Reiters. Die nach ihrem Tod ins Leben gerufene Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung ermöglicht nach wie vor Neuerwerbungen in diesem Kontext, aber auch Ausstellungen, Forschungsprojekte und Publikationen werden durch sie gefördert. Geht es dagegen um zeitgenössische Positionen, wird das Lenbachhaus von der 2009 gegründeten KiCo Stiftung unterstützt. Seit dem letzten Jahr besteht nun eine weitere Zusammenarbeit mit einer Stiftung, die dem Haus rund hundert neue Werke der deutschen Landschaftsmalerei und der „Schule von Barbizon“ beschert hat. Wie die Christoph Heilmann Stiftung ans Lenbachhaus gekommen ist und welche Bedeutung sie für das Museum hat, – darüber habe ich mich mit Karin Althaus, Sammlungsleiterin für den Schwerpunkt ’19. Jahrhundert‘, unterhalten.

Frau Althaus, die neuesten Errungenschaften des Lenbachhauses sind Werke aus der Christoph Heilmann Stiftung, die nun erstmals im Lenbachhaus Haus zu sehen sind. Wie kommt eine solche Zusammenarbeit zustande?
Mein erstes Gespräch mit Christoph Heilmann kam in diesem Fall über einen persönlichen Kontakt unseres Direktors Helmut Friedel mit RA Friedrich Carl Rein zustande, der uns mit Herrn Heilmann in Verbindung brachte. Nach der Kontaktaufnahme geht es dann vor allem darum herauszufinden, wie die Sammlungen zusammenpassen und wie man sie präsentieren könnte. Sagt der Stifter schließlich „Ja“, muss dafür eine Form gefunden werden, die sowohl für ihn als auch für uns sinnvoll ist. Bei der Christoph Heilmann Stiftung haben wir uns für einen Dauerleihvertrag entschieden, da es sich hier um ein rechtlich geschlossenes Modell handelt, das nicht einfach an ein Haus geschenkt, sondern lediglich gebunden werden kann.

Das bedeutet, die Werke ‚gehören‘ jetzt nicht dem Lenbachhaus…?
Diese Form ist eher vergleichbar mit unserer Zusammenarbeit mit der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung oder der KiCo Stiftung. Die Werke gehören zwar einer Stiftung, sind aber trotzdem sehr eng ans Haus gebunden.

Gibt es neben dem Museum und dem Stifter noch andere Instanzen, die in diesem Prozess eine Rolle spielen?
Die Stiftung hat natürlich noch einen Stiftungsrat und auch von städtischer Seite muss das ‚Okay‘ gegeben werden, dass die Stiftung ans Haus kommen kann. Insgesamt ist es schon ein ganzes Gremium von Leuten, die daran beteiligt sind.

Das hört sich ja kompliziert an. Wie lange dauerte es letztendlich von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Ausstellung?
Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Vertragsunterzeichnung hat es ungefähr ein Jahr gedauert und dann nochmal etwa ein Jahr bis zur Präsentation der Werke.

Werden bezüglich der Bilder mit der Stiftung dann auch noch spezielle Vereinbarungen getroffen?
Diese Dinge werden immer sehr individuell festgelegt. Wenn etwas als Dauerleihgabe bei uns ist, wird es von uns versichert, restauratorisch sowie konservatorisch betreut und wir versuchen es so weit wie möglich der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hier gab es Vereinbarungen, dass wir gemeinsam mit dem Stifter eine Konzeption entwickeln, wie die Bilder gezeigt werden. Die so erarbeitete Präsentation wird in dieser Form auch für zwei Jahre bestehen bleiben.

Und wie passen die Bilder aus der Heilmann Stiftung denn jetzt zur bisherigen Sammlung des Lenbachhauses?
Ich war von Anfang an begeistert von der qualitativ hervorragenden Sammlung und habe sofort die Ergänzungsmöglichkeiten zu unserem Bereich der Münchner Landschaftsmalerei gesehen, der bisher ein wenig die Anbindung an parallele Entwicklungen jener Zeit gefehlt hat. Die direkte Auseinandersetzung mit der Natur ist außerdem ein Aspekt, der die Sammlung für die Besucher besonders zugänglich macht.
Wie eng die beiden Sammlungen inhaltlich zusammenpassen, zeigt auch der Fall eines Bildpaares von Johann Georg von Dillis. Die beiden Bilder hängen jetzt zusammen im Eingangsbereich zum Abschnitt ’19. Jahrhundert‘ und waren zuvor sicher über hundert Jahre lang getrennt. Das eine ist in den 1920er Jahren für das Lenbachhaus angekauft worden – das andere kommt jetzt aus der Heilmann Stiftung dazu. Ein absoluter Glücksfall also.

Was sagt denn der Stifter dazu, dass „seine Werke“ jetzt im gleichen Gang präsentiert werden wie die Stahlskulptur ‚Gate‘ von Richard Serra?
Ich glaube es gefällt ihm ganz gut (lacht). Die Kombination ist natürlich interessant aber gleichzeitig betont es auch in gewisser Weise die Geschlossenheit der Stiftung.

Die Zusammenarbeit mit Stiftungen hat am Lenbachhaus ja eine lange Tradition. Welche Bedeutung haben Stiftungen allgemein für die Arbeit eines Museums?
Ich denke, dass die Kooperation mit Stiftungen für Museen mehr und mehr zu einem Schwerpunkt wird. Sie geschieht sehr stark im Austausch und hat große Vorteile gegenüber einzelnen Leihgaben. Unter anderem, weil es sich wirklich um eine langfristige inhaltliche und organisatorische Zusammenarbeit handelt.

Nun zum eher persönlichen Teil: Wie führte Sie Ihr Weg ans Lenbachhaus München?
Ich habe ganz klassisch Kunstgeschichte studiert und schon da nebenbei in einem Museum gearbeitet. Später habe ich zunächst unendlich viele Museumsführungen gemacht, bevor ich für ein Forschungsprojekt an der österreichischen Nationalbibliothek für drei Jahre nach Wien gegangen bin. Danach kamen dann wieder die Museen: unter anderem das Kunsthaus Zürich und fast fünf Jahre lang das Kunstmuseum Basel. Am Lenbachhaus bin ich inzwischen fast sechs Jahre.

Was lieben Sie an Ihrer Arbeit hier und was könnte man Ihnen gerne abnehmen?
Es gibt natürlich immer mal wieder viel Organisatorisches und viele Diskussionen, aber eigentlich hab‘ ich nicht viel zu meckern (lacht). Schwierig war es während des Umbaus in den letzten Jahren nur sehr beschränkte Ausstellungsmöglichkeiten zu haben und die Kunst nicht täglich zu sehen. Jetzt, da das Museum wieder offen ist, ist das ein ganz anderes Arbeitsgefühl.

Wenn Sie wählen dürften: Welches Bild aus dem Lenbachhaus würden Sie sich zu Hause über die Couch hängen?
Ich muss zugeben, dass ich zu Hause eigentlich keine Kunst hängen habe – ich bin da ganz spartanisch und habe ja genug Kunst am Arbeitsplatz. (überlegt) Vielleicht würde ich mich sogar für etwas aus der Heilmann Stiftung entscheiden: von Johan Christian Dahl „Der Waldbrand“, – oder von Johann Georg von Dillis „Der modernde Baumstumpf“. Die zwei finde ich sensationell – auch für zu Hause.

Mal abgesehen vom Lenbachhaus: Welche Kultureinrichtung in München und Umgebung besuchen Sie sonst noch gerne?
Ich finde die Glyptothek hat mit die schönsten Museumsräume in München. Seit meiner Zeit als Hilfsassistentin am Antikenmuseum in Basel habe ich eine große Liebe zur Antike und zur klassischen Skulptur. Deshalb flaniere ich wahnsinnig gerne durch die Glyptothek. Natürlich mag ich auch das Café dort sehr gerne – das gebe ich zu.

Karolin Nirschl ist Studentin der Kunstgeschichte an der LMU und Gastbloggerin für den Lenbachhaus Blog.

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