von Esther Heyer.

Gehen wir ein halbes Jahr zurück in der Zeit. Wieder einmal stehen viele Studenten vor der Qual der Wahl, sich für eines der hart umkämpften Seminare zu entscheiden. Ein besonderes Seminar trägt den Titel „Im Bauch des Museums.“ Beititel: „Vom Sammeln, Bewahren und Zeigen.“ Schon in der Kurzbeschreibung des Seminars erfährt man von der engen Kooperation mit dem Lenbachhaus und dessen Fachpersonal. Wie verhält sich ein Museum zur Öffentlichkeit? Wie sehen das Arbeitsfeld und die Aufgaben eines Museums aus? Direkt vor Ort im Kunstbau und in Diskussionen mit dem Fachpersonal wurden eben diese Aspekte diskutiert und analysiert – und wir freuen uns sehr, am Donnerstag 7.2.2013 ein öffentliches Resümee dieser Veranstaltung ziehen zu dürfen.

Doch was erwartet einen „Im Bauch des Museums“? Eine der Fragen, die sich für uns im Laufe des Semesters nach und nach beantworten ließ – und was ich hier gerne wörtlich gesehen skizzieren möchte.
Eine Exkursion in den Bauch des Museums. Der Bauch – ein großer Teil des Körpers.
Gibt man den Suchbegriff „Körper“ bei der Bildersuche in Google ein, erscheint als eines der ersten Bilder Leonardo da Vincis Körperstudie (der vitruvianische Mann), die in den verschiedensten Fachbereichen der Wissenschaft gerne als Illustration verwendet wird. Gleich dahinter erscheinen vereinfachte Studien zu den Anordnungen der inneren Organe im Körper.

(Und um Ihnen mein persönliches Bild, das ich zum Thema „Im Bauch des Museums“ im Kopf habe, zu verdeutlichen und vor Augen zu führen, habe ich mich dazu entschlossen, Fotos zu machen, an denen Sie sich gerne orientieren können.)

Doch gehen wir tiefer in den Bauch, zu den Organen des Körpers. Denn nehmen wir den Titel unseres Seminars wörtlich, so beziehen wir uns dabei direkt auf den Bauch des Museums – mit all seinen Organen des Museumsbetriebes.

Alle Organe des Körpers müssen zusammenspielen, keines kann man einfach so herausnehmen oder weglassen, da sonst der Organismus Museum nicht mehr funktioniert!

Dies sind die Bereiche und Museumsorgane, die wir im Seminar und an der Abendveranstaltung thematisiert haben:
Die Ausstellungsformate, Ausstellungsräume und Ausstellungsarchitektur
Der Sammler
Der Kurator
Die Restaurierung
Die Provenienzforschung
Und die Kunstgeschichte

Beziehen wir dies auf den Metabolismus und das Zusammenspiel im Körper, könnte man sagen, dass die Körperhülle, also die Haut, der Ausstellungsraum und das Museum selbst ist, in dem alle Prozesse stattfinden.

Betrachten wir den Sammler oder die Sammlung im Museum, so liegt die Assoziation des Magens nahe, in dem alles, was in den Körper gelangt, schließlich zur weiteren Verarbeitung gesammelt wird.

Den Kurator, der alles im Blick behalten muss und großen Einfluss hat, könnte man mit der Lunge vergleichen. Die Lunge, ein großes und starkes Organ, das den Sauerstoff an den Körper weitergibt, das Essentielle filtert und dem ganzen Körper hoffentlich frischen Atem verleiht.

Die Restaurierung, ein Organ, das zwischen Erhaltung und Wiederherstellung und Original sowie Authentizität des Werkes und Mut zur Lücke agieren muss. Sie ist vergleichbar mit den beiden Nieren, die wichtig sind, um die Giftstoffe des Körpers auszufiltern – jene Giftstoffe, die für den Verfall der Kunst zuständig sind.

Die Provenienzforschung, die Herkunftsforschung, ist die Leber des Museums. Stimmt etwas mit den Blutwerten nicht, mit dem Gleichgewicht im Körper, wirkt sich dies zwangsläufig auf die Leber aus. Die Werte erhöhen sich und es bedarf der Nachforschung! So wird auch hier nach der Herkunft von Bildern geforscht, was wichtig ist für den etwaigen Fall der Restitution, was aber auch für das historsiche Bewusstsein der Sammlung von großer Bedeutung ist.

Kommen wir zur Kunstgeschichte. Ein Museum schreibt Kunstgeschichte – die Thematik durchläuft den gesamten Körper, wird analysiert, verwertet und ein Endprodukt entsteht. Der Darm wäre hier das naheliegende Organ im Körper. Er verdaut, verwertet optimal, und heraus kommt ein neuer Aspekt, über den man angeregt diskutieren kann.
Doch nach der Beschreibung dieser Museumsorgane müsste aufgefallen sein, dass dieser Körper so noch nicht funktionieren könnte. Ein wichtiger Bestandteil fehlt:
Der Besucher, der dem Ganzen das Leben einhaucht. Das Blut, das durch den ganzen Körper zirkuliert, von den Organen mit wichtigen Stoffen und Informationen versorgt wird und das selbst als Transportmittel für Wissenswertes dient und in ständigem Kreislauf mit den Organen interagiert.
Und was ist das Herz dieses Organismus? Alleine eine gute Zusammenarbeit und Interaktion hält den Kreislauf fit und den Körper gesund!

So darf ich Ihnen für Ihren nächsten Besuch im Museum einen interessanten Weg durch den Bauch des Museums mit all den interessanten Zusammenspielen seiner Organe wünschen.

Esther Heyer ist Teilnehmerin des Hauptseminars „Im Bauch des Museums“ am Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilian-Universität München (Prof. Dr. Burcu Dogramaci)

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