von Karin Dotzer.

Lange bevor ein Bild in einer Ausstellung präsentiert werden kann, werden Vereinbarungen hinsichtl. der Versicherung, der Verpackung, des Transports, der Begleitung der Gemälde durch Kuriere an Ihren Bestimmungsort sowie die Einhaltung von Ausleihbedingungen wie Klima und Licht in den Ausstellungsräumen getroffen. All dies wird im Leihvertrag für jedes Objekt individuell festgeschrieben.
Vor jedem Transport werden die Kunstwerke eigens „von Nagel zu Nagel“ versichert. Das heißt der Leihgeber versichert zu Lasten und auf Kosten des Leihnehmers das Bild von dem Zeitpunkt an, wo es von der Wand genommen, verpackt und an den Ausstellungsort transportiert wird bis nach seiner Rückkehr ins Museum. Der Leihgeber schreibt den gewünschten Umfang des Versicherungsschutzes für sein Kunstwerk vor. So kann sich der Versicherungsschutz neben den gängigen Bedingungen wie Verlust und Beschädigung auch auf politische Ereignisse und Naturkatastrophen erstrecken.
Durch die in den letzten Jahren rasant gestiegenen Preise von Kunstwerken auf dem Kunstmarkt steigt auch der Versicherungswert der Gemälde aus Museen. Für Häuser wie dem Lenbachhaus wird es immer schwieriger, große Ausstellungen mit wichtigen Leihgaben zu realisieren und die damit verbundenen hohen Versicherungsprämien zu finanzieren. So macht inzwischen die Versicherungsprämie bis zu einem Drittel des gesamten Etats einer Ausstellung aus.
Um dem Kunstwerk auf dem Weg an seinem neuen Ausstellungsort den bestmöglichen Schutz vor Umwelteinflüssen und Beschädigung zu bieten, haben Museen auf der ganzen Welt in Zusammenarbeit mit Kunstspeditionen äußerst stabile Kisten entwickelt. Durch ihre Materialzusammenstellung garantiert die mechanische Konstruktion dieser Kisten neben dem Schutz vor Schlägen und unsachgemäßem „Handling“ auch die Bewahrung des konditionierten Innenklimas, das dem Ausstellungsraum, in dem sie hängen, entspricht. Die sogenannte Klimakiste ist in der Lage das im Ausstellungsbereich herrschende Klima mit einer Halbwertszeit von 6 Stunden zu halten. So können starke klimatische Schwankungen, wie sie zum Beispiel bei einer Luftfracht auftreten, abgemildert werden – das Kunstwerk hat die Möglichkeit sich langsam den Bedingungen des neuen Standortes anzupassen.

Zusätzlich zur Kiste wird das Gemälde je nach der Empfindlichkeit seiner Oberfläche oder des Rahmens noch in Plastikfolie oder in ein chemisch stabiles, weiches, strapazierfähiges Spezialtextil namens Tyvek gewickelt. Gläser, die die Oberflächen von Papierarbeiten oder Gemälden schützen werden ganzflächig abgeklebt, damit bei einem Glasbruch die Splitter an den Klebestreifen haften bleiben und die Malschicht nicht beschädigen.

Gut und sicher verpackt geht die Kunst auf Reisen. Innerhalb Europas werden die Bilder per LKW transportiert. Ein Kunsttransport ist mit 2 Fahrern besetzt, der LKW ist luftgefedert, klimatisiert und alarmgesichert. Während der Pausen muß immer ein Fahrer beim Wagen bleiben.

Sehr teure, sehr fragile oder kompliziert aufzubauende Kunstwerke werden von einem Mitarbeiter des ausleihenden Museums begleitet, der ebenfalls auf dem Lkw sitzt. In Ausnahmefällen (Wert des Kunstwerks oder Transport durch bzw. in politisch nicht stabile Länder) wird der Transport auch von der Polizei eskortiert.
Nach Ankunft an seinem Bestimmungsort wird die Kiste aus dem LKW entladen und muß wieder einen Tag geschlossen zur Akklimatisierung in den Ausstellungsräumen stehen. Am nächsten Tag stehen Kurator, Restaurator und Kurier erwartungsvoll vor der Kiste. Sie wird von erfahrenen Kunstpackern, geöffnet und das Objekt wir auf einen dafür vorbereiteten Tisch gelegt.
Mit Kopflupe und LED-Taschenlampe bewaffnet beugen sich Kurier und Restaurator über das Bild und überprüfen seinen Zustand: Haben sich Farbpartikel beim Transport gelöst, stehen Farbschollen auf, gibt es matte Stellen auf der Oberfläche? Alle sichtbaren Beschädigungen und Details werden im sogenannten Condition Report (Zustandsprotokoll) vermerkt, so dass beim Verpacken des Kunstwerkes nach Ende der Ausstellung bzw. bei seiner Rückkehr mögliche Veränderungen nachweisbar sind. Ist der Zustand unverändert, wird das Kunstwerk an den für ihn bestimmten Ort in der Ausstellung aufgehängt.
Es hängt nun für mehrere Monate im Kontext der Ausstellung – vielleicht neben einem Bild, das zum letzten Mai vor hundert Jahren im Atelier des Künstlers neben ihm auf der Staffelei gestanden hat.

Karin Dotzer ist Mitarbeiterin der Ausstellungsorganisation im Lenbachhaus.

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