5 Fragen an Rita Kersting zu Gabriele Münter

Von Donata aus der Wieschen.

Am 14. September eröffnete die Ausstellung Gabriele Münter. Malen ohne Umschweife im Kölner Museum Ludwig. Im Gespräch berichtet Rita Kersting, Stellvertretende Direktorin des Hauses, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Ausstellungsorte, Münters Position in der Sammlung des Museums und was die Besucherinnen und Besucher in Köln erwartet.

Rita, Gabriele Münter hatte eine starke Verbindung zu Köln. Welche war das?

Rita Kersting: Münter wuchs im Rheinland auf, ging hier kurz nach 1900 zum ersten Mal ins Kino (damals noch Kinematograph), hatte ihre allererste Einzelausstellung 1908 in Köln im Kunstsalon Lenobel mit über 40 Gemälden. Zudem lag ihr Lebensmittelpunkt immer wieder im benachbarten Bonn, wo ihre Geschwister lebten. 1925 fädelte sie mit dem Sammler Josef Haubrich, dem damaligen Vorsitzenden des Kölnischen Kunstvereins eine große Ausstellung ein. Wie schön, Münters Werk nun wieder ausgebreitet in Köln, im Museum Ludwig, zeigen zu können; das ist in gewisser Weise auch eine Heimkehr an einen Ort, der ihr viel bedeutete.

Das Museum Ludwig besitzt mit der Sammlung Haubrich herausragende Werke des Expressionismus. Dazu gehören auch Arbeiten von Vertretern des Blauen Reiter wie Wassily Kandinsky, Franz Marc, August Macke und Alexej Jawlensky. Wieso fehlt ein Werk Münters, wo in ihrem Haus in Murnau doch die Künstlergruppierung gegründet wurde?

Rita Kersting: Haubrich hat viele der großen Modernen erworben, die wunderbare Sammlung Haubrich ist ja heute im Museum Ludwig und in der Tat haben wir starke Arbeiten von Künstlern des Blauen Reiter. Gabriele Münter hat er leider nicht gesammelt. Auch wegen dieser Lücke ist die Ausstellung hier interessant. Dass bisher kein Werk von Gabriele Münter in der Sammlung des Hauses ist, kann man allerdings nicht nur Haubrich anlasten. Noch bis vor kurzer Zeit, haben Sammler, aber auch Kuratoren und Museumsdirektoren mehrheitlich Kunst von Künstlern gekauft und nur wenige Künstlerinnen für ihre Sammlungen in Betracht gezogen. Das ändert sich jetzt.

Die Ausstellung ist am Münchner Lenbachhaus konzipiert worden und war zuletzt im Louisiana Museum in Humblebaek zu sehen. Was eint diese beiden Häuser und das Museum Ludwig im Hinblick auf Gabriele Münters Werk?

Rita Kersting: Die Ausstellungsorte stellen wie Punkte auf einer Landkarte Gabriele Münters Leben dar. Sie ist Zeit ihres Lebens viel gereist und hat sich zu verschiedenen Zeitpunkten in ihrem Leben in diesen drei Regionen niedergelassen. Murnau bei München war ihre selbstgewählte Heimat, wo sie bis zum Ende ihres Lebens 1962 lebte und die meisten ihrer Bilder malte. In Skandinavien hielt sie sich 5 Jahre auf und ins Rheinland kam sie im Laufe ihres Lebens immer wieder, um große Einzelausstellungen vorzubereiten, Leute zu treffen und sich Ausstellungen und Museen anzusehen. Einige der Bilder, die sie hier 1908 ausstellte, sind nun 110 Jahre später wieder hier.

Und was erwartet die Besucherinnen und Besucher in Köln?

Rita Kersting: Eine dichte, lebendige Ausstellung, „Malen ohne Umschweife“, wie in München nicht chronologisch, sondern thematisch geordnet: Porträts, Landschaften, Interieurs, Arbeit und Technik, „Primitivismus“, Abstraktion, Neue Sachlichkeit. Immer wieder greift Münter auf Bildsprachen und Genres zurück, es wird deutlich, dass sie eine bekannte Unbekannte ist, die offen war für Neues, experimentierfreudig und in ihrem Werk ganz facettenreich.

Murnau ist von Köln viel weiter weg als von München, darum haben wir einige der Wände mit den Farben gestrichen, auf die Münter zuhause ihre Bilder hängte: ginstergelb, arctisblau und piniengrün. Für mich wird in dieser Ausstellung zum ersten Mal richtig klar, dass Münter zwar eine gegenständliche Malerin ist, aber die Darstellung der Objekte häufig nur ein Vorwand ist für ein Bild, das vor allem eins ist; eine farbige Komposition.

Was ist Dein Lieblingsbild?

Rita Kersting: Das kann ich gar nicht sagen, es gibt aus allen Zeiten tolle Bilder, ganz unterschiedlich; besonders beeindruckt bin ich von den Bildern, die Münter nicht nach der Natur, sondern nach Kinderzeichnungen malt. Und Dein Lieblingsbild?

Donata aus der Wieschen: Das Baugerüst von 1930. Das Gerüst und der Lastwagen und die Arbeiter erscheinen als schwarze Silhouette magisch und monumental mitten in einer Pariser Straße. Auch dieses Bild zeigt: typisch Münter – das gibt es nicht.

Rita Kersting ist Kuratorin der Ausstellung „Gabriele Münter. Malen ohne Umschweife“ im Museum Ludwig in Köln. Seit 2016 ist sie dort Stellvertretende Direktorin.
Donata aus der Wieschen ist Volon­tärin für die On­line-Kom­mu­nika­tion und So­cial Me­dia am Museum Ludwig.

Veröffentlicht am 20. September 2018

Ein Gedanke zu “5 Fragen an Rita Kersting zu Gabriele Münter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.