FACTS & FICTION

Lenbachhaus  19. MAI - 13. September 2015

Facts & Fiction

 

FACTS & FICTION

Katastrophenbilder und Zukunftsszenarien
Veranstaltungsreihe vom 19. Mai – 13. September 2015


Endzeitvorstellungen haben seit jeher die Phantasie der Menschen geprägt und beeinflussen uns bis heute. Ihrer Visualisierung haben sich die Künste von Beginn an gewidmet. Deshalb sind Bilder von Gewalt und globalen Katastrophen tief in unserem kollektiven Gedächtnis verankert. Inzwischen sind diese Bilder das tägliche Brot der Massenmedien. Unsere Vorstellung von Katastrophen speist sich so auch überwiegend aus der medialen Berichterstattung und ist zugleich geprägt durch die filmische Inszenierung und Ästhetisierung solcher Szenarien.

Katastrophen erleben wir heute live und in Echtzeit. Wir werden mit Bildern konfrontiert, die uns zu Augenzeugen auf Distanz machen. Wir schauen aus sicherer Entfernung und mit ambivalenten Gefühlen zu. Gleichzeitig wird durch Planspiele des »Worst-Case-Szenario« eine Fiktionalisierung unserer Zukunft betrieben, die auf
unsere Gegenwart zurückwirkt. Durch apokalyptische Fiktionen in den Wissenschaften, in der Literatur, der Kunst und im Film bekommt die latente, unfassbare Bedrohung eine konkrete, greifbare Form. Insofern können inszenierte Katastrophen auch als Reflexionsräume und Experimentierfelder für Visionen, (Anti-)Utopien und Zukunftsszenarien unterschiedlichen Charakters verstanden werden.

Die Veranstaltungsreihe FACTS & FICTION fragt nach der Darstellung und Wahrnehmung von Desastern und Dystopien: Warum ist in der Gegenwartskunst – sei es im Hollywoodfilm, in der bildenden Kunst oder in der Literatur – die Katastrophe weit mehr von Interesse als eine Vision vom Glück? Was ist so ergreifend an der Apokalypse? Worin besteht die Faszination ästhetisch aufgeladener Katastrophenszenarien und Naturschauspiele? Was lässt sich an diesen Bildern ablesen, was lässt sich ihnen entgegensetzen?

Kuratiert von Elisabeth Giers und Matthias Mühling



Jeweils zwei Wochen lang werden im Georg-Knorr-Saal verschiedene filmische Arbeiten präsentiert. Jeden zweiten Dienstag finden zudem begleitende
Abendveranstaltungen statt.
Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei.
Die Plätze sind begrenzt, eine Reservierung ist leider nicht möglich.

Den Programmfolder als PDF zum Download finden Sie hier.

 

 

Guy Ben-Ner: Soundtrack (2013, 11 min.)

19. - 31. Mai 2015, 10 - 18 Uhr, Georg-Knorr-Saal

Ausgehend von einem 11-minütigen Tonausschnitt aus Steven Spielbergs Film
»Krieg der Welten« entwickelt Guy Ben- Ner mit seinen Kindern und Freunden ein Szenario in Form eines Reenactments. Sämtliche Dialoge und Geräusche werden in den alltäglichen Familienkontext übertragen, die Stimmung steigert sich rapide ins Bedrohliche und Hysterische. Reflektiert werden nicht nur soziale Strukturen und Rollenbilder im familiären Mikrokosmos, sondern vor allem die Macht der Massenmedien, die allzu häufig irrationale Ängste schüren und immer wieder zum
Instrument politischer Propaganda werden.

 

Allora & Calzadilla: A Man Screaming Is Not a Dancing Bear (2008, 11 min.)

2. bis 7. Juni und 13/14. Juni 2015, 10 – 18 Uhr, Georg-Knorr-Saal

Auch Jahre nach dem Hurrikan Katrina und der folgenden Flutkatastrophe befindet
sich New Orleans im Ausnahmezustand, obgleich die mediale und politische Aufmerksamkeit inzwischen versiegt ist. In der Videoarbeit von Allora & Calzadilla wird spürbar, wie präsent die mehrere Jahre zurückliegende Katastrophe noch immer
ist. Deutlich macht sie Zusammenhänge mit Klimawandel, Rassismus und ökonomischen Missständen.

Jonathan Horowitz: Apocalypto Now (2009, 13 min.)

16. bis 28. Juni 2015, 10 - 18 Uhr, Georg-Knorr-Saal

Jonathan Horowitz kombiniert Versatzstücke aus Spielfilmen des Hollywoodkinos, Dokumentationen und Found Footage. Durch geschickt gesteuerte Montage werden Erzählungen ganz unterschiedlicher Kontexte miteinander verbunden. »Helden« wie der Wissenschaftler Stephen Hawking, der aktivistische Politiker Al Gore oder der ultrachristliche Schauspieler und Regisseur Mel Gibson treten nebeneinander auf. Es entstehen neue Zusammenhänge zwischen dem Unterhaltungswert von Katastrophen im Kino, dem Einbruch des Schreckens in die Realität und apokalyptischen Vorstellungen religiöser Fundamentalisten.

Ho Tzu Nyen: EARTH (2010, 40 min.)

7. bis 12. Juli 2015, 10 - 18 Uhr, Georg-Knorr-Saal

Mit rund 50 Darstellern in Plansequenzen gedreht, entfaltet sich auf der Leinwand ein postapokalyptisches Tableau vivant. Die als choreographierter Trümmerhaufen gestaltete Szenerie gleicht einem gigantischen, vegetierenden Organismus.
Lichtführung und Komposition zitieren Gemälde der europäischen Kunstgeschichte, insbesondere der italienischen und französischen Malerei.

 

Oliver Ressler: Leave It in the Ground (2013, 18 min.)

14. bis 26. Juli,  10 – 18 Uhr, Georg-Knorr-Saal

Vor dem Hintergrund der beschaulichen Landschaften der Lofoten beschreibt Oliver Ressler die Klimakrise als politisches Problem. Sein Film erörtert, inwiefern die durch Erderwärmung verursachten ökologischen und humanitären Katastrophen alte Ordnungssysteme aufbrechen und anhaltende soziale und politische Umbrüche
hervorrufen werden. Es wird deutlich, dass Katastrophen im Kontext des Klimawandels bereits heute eine Tatsache sind und nicht eine erst die ferne Zukunft betreffende Dystopie.

Yael Bartana: Inferno (2013, 22 min.)

28. Juli bis 9. August 2015, 10 - 18 Uhr, Georg-Knorr-Saal

Ausgehend von der aktuellen Nachbildung des Tempel Salomos durch die evangelikale Kirche der Pfingstbewegung IURD in São Paolo und der Vision seiner zukünftigen Zerstörung stellt Bartana Verbindungen zwischen den vielschichtigen Realitäten der brasilianischen Megacity und Jerusalem her. Mit stilistischen Referenzen zum epischen Hollywoodkino verwendet sie ein Verfahren, das sie als »historical pre-enactment« bezeichnet und vermischt auf diese Weise Tatsachen und Fiktion, Prophezeiung und Geschichte miteinander.

Marjolijn Dijkman: Wandering through the Future (2007, 60 min.)

11. August bis 13. September 2015, 10 - 18 Uhr, Georg-Knorr-Saal

Mit Ausschnitten aus rund 70 Science- Fiction-Filmen führt diese Videoarbeit Bilder möglicher Zukünfte aus den Jahren 2008 bis 802701 vor. Mittels Szenen von Naturkatastrophen, utopischen und dystopischen Städten, Viren, Klonen und
Außerirdischen erhält die Zukunft in Form einer Timeline konkrete Gestalt. »Wandering through the Future« stellt Themenfelder ökologischer und ideologischer Konflikte einander gegenüber und gibt anhand fiktionaler Szenarien einen Einblick in die Angst vor dem Unbekannten.

19. Mai bis 5. Juli 2015 IM ATRIUM

Omer Fast: CNN Concatenated (2002, 18 min.)
Christoph Draeger: Un Ga Nai (1995/1999, 42 min.)
Lina Selander: Anteroom of the Real, (2010-2011, 14 min.)

7. Juli bis 13. September 2015 im Atrium

Gabriel S Moses: anything consumed must come out
motion sequence – 4 screen adaptation from the project ENHANC[=MENT – an augmented graphic novel (2015, 6 min.)

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