19. Jahrhundert

Sammlungspräsentation im Lenbachhaus

19. Jahrhundert

  

19. Jahrhundert und frühes 20. Jahrhundert

Die Städtische Galerie im Lenbachhaus eröffnete 1929 in der erweiterten ehemaligen Villa des Münchner Malerfürsten Franz von Lenbach (1836‒1904). Gesammelt und gezeigt wurden bis in die 1950er Jahre hauptsächlich Münchner Malerei des 19. und deutsche Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Dieser ursprüngliche Schwerpunkt bildet den historischen Kern der Sammlung zusammen mit der Kunst des „Hausherrn“ Franz von Lenbach.

Franz von Lenbach war der gefeierte Porträtist von Papst, Kaiser und Königen, eleganten Damen und zentralen Figuren aus Politik und Wirtschaft (Fürst Bismarck porträtierte er während 20 Jahren rund 80 mal). Auf dem Höhepunkt seiner Karriere entschied er, endgültig in München zu leben ‒ der neben Paris damals wichtigsten europäischen Kunststadt. Von 1887 bis 1891 erbaute er vor den Toren der Stadt seine großzügige Künstlerresidenz im toskanischen Stil, die zugleich Wohnung, Atelier und Museum war. Sie lag in unmittelbarer Nachbarschaft zu den königlichen Sammlungen, der Heimat der alten Meister wie Tizian und Rubens in der Pinakothek und den klassischen Vorbildern der Antiken in der Glyptothek. Die Atmosphäre und der Anspruch einer Künstlerresidenz des späten 19. Jahrhunderts sind in der historischen Ausstattung der Repräsentationsräume der Villa noch heute erlebbar.

Die „Münchner Schule“ war im 19. Jahrhundert international bekannt, zog Künstler in die Stadt und wurde weltweit gesammelt. Das lokale Bürgertum partizipierte daran über die Ausstellungen des 1823 gegründeten Münchner Kunstvereins, wo vor allem Landschaften und Genrebilder gezeigt wurden. Als städtische Institution konzentrierte sich das Lenbachhaus zu Beginn seiner Sammlungstätigkeit auf diese eher private, bürgerliche Kunst. Damit setzte sie sich programmatisch von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ab, die auf den Beständen des Bayerischen Königshauses und der Tätigkeit der Kunstakademie aufbauten.

Eine romantische Landschaftsauffassung, ein von Gustave Courbet geprägter Realismus, die Begeisterung für die Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts und Einflüsse belgischer, holländischer, französischer und englischer Malerei prägten die Kunst in München. In der Sammlung sind diese unterschiedlichen Erscheinungsformen vertreten durch wichtige Künstler wie Wilhelm von Kobell, Johann Georg von Dillis, Thomas Fearnley, Ernst Kaiser, Christian E. B. Morgenstern, Carl Rottmann, Carl Spitzweg oder Eduard Schleich d. Ä. Dazu kommen malerisch herausragende Werke des Leibl-Kreises (Wilhelm Leibl, Carl Schuch, Wilhelm Trübner und Hans Thoma), ausgewählte Schwerpunkte der akademischen Malerei von Carl Theodor von Piloty, Hans Makart, Gabriel von Max und Albert von Keller sowie Porträts der so genannten Malerfürsten Franz von Lenbach und Friedrich August von Kaulbach.

Die Gründung der Münchener Secession 1892 war Ausdruck neuerer Tendenzen und vereinigte in sich eine Stilvielfalt zwischen Impressionismus, Jugendstil und dem Einfluss avantgardistischer Bildvorstellungen. Dies zeigen Gemälde von Franz von Stuck, Lovis Corinth, Max Slevogt, Fritz von Uhde und vieler anderer, die zu den Werkgruppen der Neuen Künstlervereinigung München und dem Blauen Reiter überleiten.

Die Kunst nach dem Ersten Weltkrieg ist im Lenbachhaus vor allem durch eine Auswahl bedeutender Werke der Neuen Sachlichkeit vertreten. Die historischen Brüche der Weimarer Republik und der Kunstpolitik der NS-Zeit werden beispielhaft durch Hauptwerke wie Rudolf Schlichters Porträt Bertolt Brecht (um 1926), Christian Schads Operation (1929), Josef Scharls Gefallener Soldat (1932), das Porträt Oskar Maria Graf (1918) von Georg Schrimpf oder Franz Radziwills Der U-Boot-Krieg/Der totale Krieg/Verlorene Erde (1938- um 1960) repräsentiert.

Die Sammlung des 19. Jahrhunderts ist bis heute immer wieder mit wichtigen Einzelwerken ergänzt worden. Hinzu kamen bedeutende Nachlässe und Dauerleihgaben wie die Sammlung der Münchener Secession, der Johann Georg von Dillis-Nachlass des Historischen Vereins von Oberbayern oder der Nachlass des „Simplicissimus“-Gründers Th. Th. Heine.

Zur Wiedereröffnung des Hauses 2013 wird erstmals die Christoph Heilmann Stiftung mit Malerei der deutschen Romantik und der Schule von Barbizon im Lenbachhaus gezeigt werden, mit der nun auch die Sammlung des 19. Jahrhunderts eine internationale Ausrichtung erhielt.

 

 

 

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